Der 76-jährige Horst Buchholz zeigt seine Comics beim Kulturverein Bienenbüttel

Wenn Katzen Klartext sprechen

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Horst Buchholz mit seinem Katzen-Comic. Die Katzengang entwirft Schlachtpläne gegen fremde Kater, manipuliert Elektrokabel und befreit Artgenossen aus einem Auto. 

Bienenbüttel. Er ist knallgelb, mit leuchtend roten Tigerstreifen, und seine Konturen sind auffällig eckig.

Ziggie ist der Hauptdarsteller in der gleichnamigen Comic-Serie, und die pixeligen Striche zeigen, dass Horst Buchholz die 16 Bildergeschichten auf dem Computer gezeichnet hat.

Jetzt werden die Comics, die der 76-jährige Bienenbütteler bisher ausschließlich im Internet unter ziggie.de veröffentlicht hat, auch als Kunst geadelt. Der Kulturverein zeigt bis zum 15. September im Bienenbütteler Rathaus 29 Tafeln aus der Geschichte „Das Hünengrab“.

Die Dialoge von Ziggie, Oskar und Lady Dai – natürlich können Katzen sprechen – sind nichts für Zartbesaitete. Sie reden nicht um den heißen Brei herum, und selbst beim Rendezvous kommen die Tatsachen ungeschminkt zur Sprache. „Hier bin ich, Mäuschen“, spricht Ziggie. Und die Schöne flötet: „Ach Ziggie, wenn du doch nur noch deine Eier hättest!“

Nebenbei besitzen Katzen ungeahnte Intelligenz. Sie entwerfen Schlachtpläne gegen fremde Kater, wissen Elektrokabel für ihre Zwecke zu manipulieren und befreien Artgenossen auch schon mal aus einem Auto. Wen wundert es da noch, dass Ziggies Freunde selbstbewusst ihre Besitzer ignorieren, die sie ins behütete, aber auch langweilige Zuhause rufen.

Fast wie im echten Leben, denn Ziggie gibt es wirklich. Bekannte brachten das halbwilde Katzenjunge vor zehn Jahren von der Insel Kreta mit. Jetzt zieht der gut genährte Kater, dessen rötliches Tigerfell in der Realität etwas dezenter ausfällt, beleidigt ab, weil Buchholz ihm einen Platz auf dem Tisch verwehrt. Als Inspiration taugt er dennoch.

„Ich betrachte Katzen wie eine Art Indianer“, sagt der 76-Jährige, der keine Folge von „Charly Brown“ in der AZ versäumt. „Vor allen anderen Tieren hat eine Katze den Vorteil: Sie kriegt was zu futtern und kann sich frei entfalten.“ Was die Stubentiger dabei erleben, hat der gebürtige Hamburger mit einer gehörigen Portion Humor gezeichnet.

Das Zeichnen hat Buchholz, der zunächst Buchhändler lernte und dann als Bankkaufmann arbeitete, von seinem Vater gelernt. In jungen Jahren malte er große Bilder im Stil von Kandinsky. Nun im Alter die Comics, die er in erster Linie als Unterhaltung sieht. „Da die Katzen nicht einzeln leben, sondern in Gruppen, kann man auch Geschichten erzählen“, sagt Buchholz.

Eine ernsthafte Botschaft gibt es am Rande auch. Katzen, ist er überzeugt, sind weder Singvogel-Killer noch sollten sie in jedem Fall sterilisiert werden. Im Übrigen hält es Buchholz mit dem Essayisten Michel de Montaigne: „Wenn ich mit einer Katze spiele, weiß ich nicht, ob sie sich über mich amüsiert.“

Von Gerhard Sternitzke

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