Physiotherapeutin Sonja Johannßen im Dorfgespräch

Wenn die große Liebe an der Tür klingelt

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Hanteln, Sportmatte, Gymnastikball: Beim Dorfgespräch mit Sonja Johannßen ging es um Sport – aber nicht ausschließlich. 

Bienenbüttel. „Wie fit ist Bienenbüttel?“, will Loni Franke wissen. „Bienenbüttel ist schon ganz schön fit“, antwortet Sonja Johannßen, macht eine Pause und fügt dann augenzwinkernd hinzu: „Aber es geht immer besser.

“ Das erste Dorfgespräch des Jahres in der Bienenbütteler Markthalle dreht sich um Sport und Gesundheit. Aber auch um eine zielstrebige, spontane und lebenslustige Frau, die sich in Bienenbüttel etabliert hat.

Sonja Johannßen ist 47 Jahre alt und Physiotherapeutin „mit Leib und Seele und mit ganzem Herzen“, wie sie selbst sagt. Im Oktober diesen Jahres feiert sie mit ihrer Praxis im Bienenbütteler Ortskern das 20-jährige Bestehen. Und das, obwohl der Anfang nicht ganz einfach war: „Wer hier etwas Neues anfangen möchte, der braucht einen langen Atem. Es dauert, bis die Menschen das annehmen.“

Dass sie längst richtig angekommen ist, zeigt sich auch an diesem Abend in der voll besetzten Markthalle: „Wenn ich so in die Runde gucke, sehe ich einige, die schon in meiner Praxis waren.“ Abnehmen, Fitness und Gesundheit seien große Themen, erklärt die gebürtige Bremerin, warum Menschen Sport machen.

Einige Leute kommen mit besonderen Wünschen in ihre Praxis, wo auch Palliativpatienten begleitet werden. Als Beispiel nennt sie einen ehemaligen Rennradfahrer, der unheilbar krank, aber körperlich noch fit war. „Wir haben ihn gefragt, was wir für ihn tun können, und er sagte, dass er noch einmal Rennrad fahren wolle“, erzählt Sonja Johannßen. Gesagt, getan: Die nötigen Infusionen wurden in einem Rucksack auf den Rücken geschnallt, und los ging die Radtour. „43 Kilometer sind wir gefahren, erst drei Monate später ist er verstorben.“ Im Sterben liegenden Menschen den letzten Weg so angenehm wie möglich zu gestalten, mache sie zufrieden, sagt Sonja Johannßen, die es wichtig findet, offen auch über den Tod zu sprechen.

Ohnehin komme heutzutage das Miteinander-Sprechen oft viel zu kurz. „Ich wünsche mir, dass wir auch auf der Straße wieder mehr miteinander sprechen“, sagt Johannßen, die als alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn Hannes nach Rieste gezogen war. Ihre große Liebe habe dann einfach an der Tür geklingelt, erzählt sie: „Stephan wollte im Gebäude nebenan einen Handwerksbetrieb eröffnen.“ Weil sich beide einen Weg hätten teilen müssen, habe das Bauamt ihm aufgetragen, sich ihr Einverständnis zu holen. „Zwei Wochen später stand der Hochzeitstermin fest“, berichtet Sonja Johannßen schmunzelnd und blickt in Richtung ihres Mannes, der im Publikum sitzt.

Von Florian Beye

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