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Weitere Anklagen hinzugekommen: Zweiter Tag im Prozess um Raub und Einbrüche mit Schwerpunkt Bienenbüttel

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Von: Jannis Wiepcke

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Angeklagter im Amtsgericht Lüneburg
Am ersten Prozesstag zeigte sich der Angeklagte noch reumütig – nun musste er jedoch zu weiteren Taten Stellung beziehen, die er bereits nach Verhandlungsbeginn begangen haben soll.  © Wiepcke, Jannis

Am zweiten Tag des Prozesses um Raubüberfälle und Wohnungseinbrüche, die sich in Bienenbüttel ereignet haben, sind weitere Anklagepunkte hinzugekommen – das Motiv soll sich diesmal jedoch unterscheiden.

Bienenbüttel/Lüneburg - Vor dem Lüneburger Landgericht wurde gestern der Prozess gegen einen 31-Jährigen wegen Diebstählen, schweren Raubes und Wohnungseinbruchs mit Schwerpunkt in Bienenbüttel fortgesetzt. Nachdem der Mann die Vorwürfe bereits eingeräumt hatte, sah er sich am zweiten Prozesstag mit einer neuen Anklage konfrontiert. Ihm werden nun drei weitere Diebstähle in Bad Bevensen zur Last gelegt. Die zusätzlichen Vorwürfe dürften die Aussichten auf eine milde Strafe wieder geschmälert haben – schließlich hatte der Mann zum Prozessauftakt beteuert, keine weiteren Straftaten mehr begehen zu wollen.

Im Gegensatz zu den vorrangegangenen Diebstählen soll die chronische Suchtkrankheit des Angeklagten bei den neuen Anklagepunkten jedoch keine Rolle gespielt haben: „Ich war verzweifelt und wusste nicht, wie ich das bezahlen sollte“, erklärte der Angeklagte , dass er die drei Straftaten im Zeitraum vom 26. Februar bis zum 1. März begangen habe, um einen offenen Strafbefehl in Höhe von etwa 700 Euro zahlen zu können. Zum Prozessauftakt hatte ihn das Landgericht zum Begleichen der offenen Forderung ermahnt. Angesichts seiner Mittellosigkeit will der 31-Jährige keine andere Möglichkeit gesehen haben, als in Bevenser Bau- und Supermärkten Garten- und Heimwerkzeuge sowie Messer zu entwenden.

Während die Anzahl der Vorwürfe nun noch einmal zugenommen hat und im Zuge der neuen Ermittlungen auch noch Betäubungsmittel bei dem Mann gefunden wurden, konnte das Gutachten des Lüneburger Psychiaters Reiner Friedrich am Montag zumindest für etwas Entlastung sorgen.

Friedrich zeichnete darin das Bild eines Mannes, der in einem schleichenden Prozess über viele Jahre aus einem gut situierten und liebevollen Elternhaus in die Drogen- und Glücksspielsucht gerutscht war und dann mehrmals erfolglos versuchte, davon loszukommen. Die Schwere der Straftaten sei dem Angeklagten durchaus bewusst gewesen – in einigen Fällen hatte er sich auch Werkzeug zur Begehung der Diebstähle angeschafft. Jedoch könne man nicht ausschließen, dass der starke Suchtdruck die Schuldfähigkeit des Mannes gemindert habe. Im Gegensatz dazu bestehe kein Zweifel an der Schwere der Suchterkrankung (Polytoxikomanie) des Mannes, die jedoch mit einer mehrjährigen Therapie durchaus erfolgreich behandelt werden könne. Ohne entsprechende Therapiemaßnahmen werde es laut Friedrichs aber sehr wahrscheinlich wieder zu Taten im Bereich der Beschaffungskriminalität kommen.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 16. März am Lüneburger Landgericht fortgesetzt.

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