„Wir mögen die Ruhe hier“

Warum Wohnmobilisten den Bienenbütteler Caravan-Stellplatz schätzen

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Silvia und Wolfgang Jeguschke kommen aus dem Ruhrpott. Sie mögen die Ruhe auf dem Wohnmobil-Stellplatz in Bienenbüttel und auch, dass sie hier ihre Papillons Asterix und Idefix gut ausführen können.

Bienenbüttel – „Wie lange wir hier bleiben, wissen wir noch nicht. “ Und das müssen die Wohnmobilisten auch gar nicht wissen. Sie sind in der Regel Rentner und wollen ihren Alltag nicht mehr stupide nach einem Zeitplan leben.

In erster Linie wollen sie die Ruhe genießen. Und die haben sie auf dem Caravan-Stellplatz an der Ilmenauhalle in Bienenbüttel.

Silvia und Wolfgang Jeguschke gehören zu den klassischen Wohnmobilisten, die in der Lüneburger Heide Station machen. Sie ist 56, er 63 Jahre alt, beide wollen Ruhe. Und einen Ort, an dem sie ihre beiden Papillons Asterix und Idefix ausführen können. Und während die beiden Hunde im Schatten liegen, strickt Silvia Socken. Für ihren Mann. „Der trägt die gerne“, versichert sie, und Wolfgang nickt begeistert.

Eigentlich wollte das Paar mit dem Fahrrad an der Ilmenau entlangfahren, aber „es ist zu warm“. Die Beiden kommen aus dem Ruhrpott, waren schon einmal in Bienenbüttel und haben sich bewusst erneut für diesen Ort entschieden – auch, weil der Stellplatz im Gegensatz zu vielen anderen in der Republik viel Schatten bietet. „Hier gibts auch bisschen was zu gucken“, sagt Silvia mit dem typischen Ruhrpott-Akzent und verweist auf das Schiffshebewerk, den Skulpturenpfad ...

Im Schatten haben es sich an diesem Tag auch Gertrud und Hans-Werner Brüsch gemütlich gemacht. Das Paar aus Neu Wulmstorf bei Hamburg kniffelt gern. Eigentlich wollten auch diese beiden Rentner eine Radtour machen, die wegen der Hitze ausfiel. Drei Tage sind die Zwei in Bienenbüttel und genießen die Ruhe. Sie kannten Bad Bevensen und hatten mal „beim Vorbeifahren“ gesehen, dass es in Bienenbüttel einen Caravan-Stellplatz gibt. So kamen sie hierher.

Über einen ADAC-Caravan-Stellplatz-Führer gelangten Iris und Gerd nach Bienenbüttel. Die beiden Mittsechziger sind zum ersten Mal in der Lüneburger Heide, sie leben in Rheinland-Pfalz und sind auf der Durchreise von der Ostsee. „Die Ruhe ist schön“, sagen auch sie.

Für zwei ältere Ehepaare ist Bienenbüttel indes „ein Treffpunkt in der Mitte“. Ein Paar kommt aus Aurich, das andere aus Ostholstein. Eine knappe Woche war das Quartett in der Heide, man hatte von Bekannten von dem beschaulichen Stellplatz erfahren. Gemeinsam wollte man Radfahren, aber auch diesen Paaren ist es dafür einfach zu heiß.

„Touristisch könnte man hier mehr machen“, sagt der Endsechziger aus Aurich. Er wünscht sich etwa Routenplaner oder Reiseführer. Denn eine Woche lang Eis essen, den Schatten genießen, Rad fahren, an der Ilmenau entlang spazieren – „da ist mehr drin, wenn man denn wüsste, was man noch machen könnte“.

Einer, der sie alle kennt, ist Christian Friedrich. Der Platzwart von Bienenbüttel lebt selbst das ganze Jahr über in einem Caravan auf dem Bienenbütteler Stellplatz. Er ist seit vier Jahren bei der Gemeinde angestellt und hat auf dem Platz alles im Blick, beantwortet Fragen, sorgt für Ordnung. „Ich mag die Kommunikation mit den Gästen, sie kommen aus ganz Deutschland, aus Skandinavien, Amerika, Südkorea, viele aus Holland“, erzählt er. Die meisten seien Rentner, 70 Prozent hätten Hunde. Aktuell hat er 13 Wohnmobile auf seinem Platz, an den Wochenenden sind es bis zu 25.

VON ULRIKE MEINEKE

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