Helfer und Vereine ringen um die Spendebereitschaft für Organe

Warten – auf Leben oder Tod

+
Vor allem Nieren und Lebern werden als Spenderorgane benötigt.

Bienenbüttel/Rosche/Landkreis. Manche potenzielle Organspender, erzählt Katja Konwer, zerreißen ihre Spenderausweise. Die Schnipsel schicken sie demonstrativ zum Gesundheitsministerium.

Ihr Ärger gilt dem Organspende-Skandal in Göttingen, bei dem Patienten von Ärzten bevorzugt behandelt worden sein sollen.

Katja Konwer aus Bienenbüttel kann diesen Ärger grundsätzlich nachvollziehen. Aber sie sieht die Angelegenheit aus anderer Perspektive: Katja Konwer hat seit 2006 eine Leber im Körper, die einem anderen Menschen gehörte. Er starb. Sein Organ hat ihr das Leben gerettet. Heute ist sie Vorsitzende des Bienenbütteler Vereins Transplant-Kids.

Ähnlich geht es Karl-Wilhelm Ellenberg. Der Roscher hat viele Jahre auf eine Niere gewartet. Seit dem 2. Februar 1997 – das Datum kommt wie aus der Pistole geschossen – hat er eine neue Niere. „Seitdem muss ich nur regelmäßig meine Tabletten nehmen und bin nicht mehr eingeschränkt.“ Dem Organspende-Skandal kann er auch positive Seiten abgewinnen: „Es wird mehr über Organspende gesprochen.“

Kinder und Jugendliche bei „Transplant Kids“ sollen bei Freizeiten Lebensfreude und Selbstständigkeit lernen. Eltern sind dabei nicht vorgesehen. Foto: privat

„Es macht mich traurig, zu sehen, dass die Menschen sich nicht richtig informieren über die Möglichkeiten, Organe zu spenden“, meint Katja Konwer. Neben ihrer Arbeit für Transplant-Kids engagiert sie sich im „Treffen Transplantierter“, bei dem sich Menschen, die ein gespendetes Organ haben, zusammenfinden – wie auch Karl-Wilhelm Ellenberg. Der Roscher betont, dass es sich bei dem Treffen „nicht um eine Selbsthilfegruppe handelt“. Man wolle lediglich Aufklärung betreiben. „Wir wollen niemanden bekehren“, erklärt Katja Konwer, „aber es ist uns wichtig, dass die Menschen sich zumindest Gedanken machen.“ Karl-Wilhelm Ellenberg nennt ein Beispiel: „Angenommen, ein 18-Jähriger stirbt bei einem Autounfall. Dann müssen die Ärzte die Eltern fragen, ob die Organe gespendet werden dürfen – eine unangenehme Situation für alle Beteiligten.“ Deshalb solle man lieber im Vorfeld abklären, ob man Organe spenden will oder nicht.

In den vergangenen Tagen stand Katja Konwer mit Freunden am Bett eines Mädchens in der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Mädchen ist 14. Vielleicht stirbt sie bald. Vielleicht nicht – wenn sie eine Leber bekommt. Sie lag im künstlichen Koma, wartet auf ein Spenderorgan. Überlebt sie, ist sie ein Fall für Transplant-Kids. Der Verein organisiert Treffen von Transplantierten, Freizeiten oder Workshops. Bei den Freizeiten sind Eltern nicht dabei: Sie seien zu behütend, sagt Katja Konwer. „Die Kinder sollen selbst zurecht kommen.“ Das ist nicht leicht, denn sie müssen an ihre Medikamente denken, damit der Körper ihr gespendetes Organ nicht abstößt. „Wir werden oft eingeladen, zu Vereinen oder in Schulen“, so die Bienenbüttelerin. Dort erzählen wir dann unsere Geschichte. Was wir erzählen, ist im Grunde das: Wir leben. Und wir wären schon lange tot.“

Von Kai Hasse und Jörn Nolting

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare