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Bienenbütteler Politik beschließt vorzeitigen Abriss der Ilmenauhalle

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Von: Jannis Wiepcke

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Die Ilmenauhalle in Bienenbüttel
Dieser Anblick gehört bald der Vergangenheit an: Die Ilmenauhalle in Bienenbüttel soll nach Beschluss des Verwaltungsausschusses möglichst zeitnah abgerissen werden. © Beye, Florian

Das Schicksal der Ilmenauhalle ist besiegelt: Der Bau- und Umweltausschuss sowie der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss der Gemeinde Bienenbüttel haben am Donnerstag für einen vorzeitigen Abriss des baufälligen Gebäudes gestimmt.

Bienenbüttel - Durch den Abriss der Ilmenauhalle werden Fakten und der nötige Platz für das Mehrzweckzentrum geschaffen, das an gleicher Stelle errichtet werden soll. Klar wurde während der Debatten aber auch: Die Angst, dass die Gemeinde aufgrund von Kostensteigerungen am Ende ohne eine fertige Halle dasteht, wird das Bauvorhaben weiterhin begleiten.

Grundsätzlich hatte die Gemeinde geplant, die Ilmenauhalle so lange wie möglich zu erhalten, um zumindest den Schießstand für die Schützengilde zur Verfügung stellen zu können. Durch den Eingang diverser Stellungnahmen von Behörden sowie der Öffentlichkeit im Rahmen des Beteiligungsverfahrens kam es jedoch zu deutlichen Verzögerungen, weswegen sich der Bau des MZZ um mindestens ein halbes Jahr nach hinten schob.

Dieser Umstand führte laut der Verwaltung wiederum dazu, dass die Fördermittel, die bei der zuständigen Bank bis Mitte September angemeldet werden müssen, nicht vollständig abgerufen werden können – um die Summe von 566 000 Euro zu erhalten, müssen mit dem Anteil der Gemeinde nämlich mindestens Ausgaben in Höhe von 849 000 getätigt werden. „Nach derzeitigem Stand kann dieses Ziel nicht erreicht werden – es sei denn, dass das Abbruchverfahren in 2022 begonnen wird, um die Förderung in 2022 soweit wie möglich auszuschöpfen“, argumentierte die Verwaltung.

Einzig die SPD-Fraktion in Person von Arnold Witthöft stimmte im Bauausschuss gegen die Beschlussvorlage. Witthöft erklärte, dass ein vorzeitiger Abriss der Ilmenauhalle angesichts der unvorhersehbaren Kostensteigerungen finanziell unverantwortlich sei – schon jetzt sei der Gesamtpreis von ursprünglich 11,5 Millionen Euro auf von ihm geschätzte 15 Millionen Euro gestiegen, die die Gemeinde zu einem Drittel selber tragen müsse. „Das ist immer noch eine ganze Menge“, warnte Witthöft. Als Finanzierungsmöglichkeit komme seiner Meinung nach lediglich der Verkauf von Baugrundstücken in der Poststraße in Frage. Diese Einnahmen würden aber für die Deckung des Haushaltsdefizites benötigt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende schlug deshalb alternativ vor, erst einmal die Genehmigung des Bebauungsplans abzuwarten, um finanzielle Planungssicherheit zu haben. Damit die Fördersumme trotzdem vollumfänglich ausgeschöpft werden könne, solle stattdessen bereits mit baubegleitenden Maßnahmen wie dem Bau von Lärmschutzwänden oder Versickerungsmulden begonnen werden, so Witthöft.

Im Bau- und Umweltausschuss stieß dieser Gedanke auf wenig Gegenliebe. Bürgermeister Dr. Merlin Franke erklärte, dass die angesprochenen Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen würden, um die angestrebte Mindestausgabengrenze von 849 000 Euro zu erreichen. Für Kathrin Ellenberg (CDU) stellte eine weitere Verzögerung ebenfalls keine Option dar: „Ohne Fördergelder können wir den Sargdeckel drauf machen“, erklärte sie. Den finanziellen Unwägbarkeiten müsse man sich jetzt stellen, schließlich würden diese zu einem ambitionierten Bauvorhaben dazugehören.

Hans-Jürgen Franke machte dann deutlich, dass die KA-Fraktion weiter für den vorzeitigen Abriss einstehe. Einerseits müsse man sich das finanzielle Risiko zwar immer wieder vor Augen führen, andererseits gelte es jetzt, ein klares Aufbruchsignal an die Gemeinde zu senden, erklärte Franke.

Die Grünen-Fraktion, die in den vergangenen Beratungen mehrfach ihre Skepsis gegenüber der vorschnellen Aufgabe der Ilmenauhalle betont hatte, zog ihren Antrag zurück. Der sah vor, den Abriss der Halle erst nach Erhalt der Genehmigung des Bebauungsplanes durchzuführen. Zuvor hatten sich die Grünen danach erkundigt, ob die Halle nicht durch kurzfristige Reparaturen für den Spielbetrieb erhalten werden könne.

Die Gemeinde hatte diesen Vorschlag aber abgewiesen: Merlin Franke erklärte, dass die Kosten für die Wiederinbetriebnahme geschätzt im siebenstelligen Bereich und damit „in keinem Verhältnis zu dem kurzfristigen Nutzen“ stehen würden. „Wir stellen uns jetzt der Verantwortung“, erklärte Grünen-Ausschussmitglied Petra Andreas-Siller danach. Für ihre Fraktion habe immer Priorität gehabt, dass die Rechtssicherheit des Bauvorhabens gewährleistet sei.

Letztendlich entschieden sich der Großteil des Bau- und Umweltausschusses und auch der anschließende Verwaltungsausschuss daher für den Abriss der Ilmenauhalle. Wann dieser startet, ist noch unklar – die Gemeindeverwaltung sucht ab sofort nach einem geeigneten Unternehmen. Fest steht jedoch, dass der Abriss frühestens zwei Wochen nach dem Bienenbütteler Schützenfest erfolgen soll. Die Gildemitglieder sollen noch genug Zeit haben, ihre Ausrüstung aus der Ilmenauhalle zu schaffen.

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