Gestern tagt erstmals ein runder Tisch zum Bahnausbau / Unternehmen will Hinweise aufnehmen

„Vor 2019 stochern wir im Nebel“

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Wo werden am Ende neue Schienen verlegt? Diese Frage wird gestern in Deutsch Evern nicht beantwortet. Noch gibt es keine Planungen, sagt Bahnsprecher Armin Skierlo. Die Anregungen der Bürger sollen beim runden Tisch aber aufgenommen werden.

Deutsch Evern. Am Anfang steht eine Enttäuschung. 40 Vertreter von Gemeinden und Bürgerinitiativen im Landkreis Lüneburg treffen sich gestern in Deutsch Evern zum ersten runden Tisch mit Bahnvertretern.

Michael Hansen

Wo wird das dritte Gleis verlaufen? Wo die Ortsumfahrungen? Dazu gibt es in der Aula der Grundschule keine Antworten. „Die Bahn hat jedwede Aussage verweigert“, stellt Michael Hansen aus Deutsch Evern, Vorsitzender des Vereins AGADE (Anwohner gegen den Bahnausbau DE 21) nach viereinhalb Stunden ernüchtert fest. „Vor 2019 stochern wir im Nebel.“ Das kann auch nicht anders sein, erklärt Armin Skierlo, Sprecher der Bahn für das Projekt Hamburg-Bremen-Hannover, auf AZ-Nachfrage. „De facto haben wir mit den Planungen noch nicht angefangen“, so Skierlo. „Wir sind da, um jeden Planungsschritt transparent zu kommunizieren und jeden Hinweis aufzunehmen.“

Fest steht: Laut Schienenausbaugesetz vom Dezember soll es im Rahmen des erweiterten Alpha-E-Konzepts, das insgesamt 396 Kilometer Schienen umfasst, einen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Uelzen geben. Engpässe sollen entschärft werden, damit mehr Züge rollen können. Und am Ende sollen elf Minuten Fahrzeit zwischen Hamburg und Hannover eingespart werden. Dabei sind Umfahrungen für Lüneburg, Deutsch Evern, Bad Bevensen und Uelzen möglich. Auf der Karte sind diese Eventualitäten als dicke „Wurst“ eingezeichnet.

Aber da fangen die Probleme schon an, denn wie soll sich die Fahrzeit verkürzten, wenn die Züge zukünftig mehrere Umfahrungen nehmen müssen, fragt Hansen. Eine große Spange, die alle Orte gemeinsam umrundet, hat die Politik ausgeschlossen.

Grundsätzlich ist für den Verein, dem auch Bürger aus dem Landkreis Uelzen angehören, die Umfahrung nur das geringste Übel. „Wir sind mit den Häusern 50 Meter an der Bahnstrecke“, gibt Hansen zu bedenken. Bei 350 bis 400 Zugbewegungen am Tag würde genauso oft die Sirene zur Warnung der Bauarbeiter heulen. Was man vermeiden wolle, sei, dass sich die Bürger in den verschiedenen Orten gegeneinander ausspielen ließen, betont Hansen. Er setzt sich dafür ein, für den Güterverkehr eine Trasse an der Autobahn 7 zu bauen. „Dafür werden wir kämpfen.“

Die Öffentlichkeit ist bei der gestrigen Veranstaltung ausgeschlossen. Die Bahn wolle einen geschützten Raum für eine konstruktive Debatte schaffen, erklärt Skierlo. „Es soll eine hemdsärmelige Arbeitsatmosphäre herrschen.“

Von Gerhard Sternitzke

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