Erstes Lüneburger Saatgutfestival lockt hunderte Besucher ins E-Novum

Die Vielfalt im Gemüsebeet

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Peter Szekeres organisierte das Saatgufestival und gab Hobbygärtnern Tipps.

Lüneburg. Gemüse-Freunde kennen die Enttäuschung ja zur Genüge: Die im Supermarkt gerade noch so lecker und frisch aussehenden, weil trickreich illuminierten Tomaten entpuppen sich beim Zubeißen zuhause als sensorische Nieten: wässrig, fade und aromaarm.

Noch dazu mit einer Haut wie aus Gummi.

„Die Händler bestellen ihre Produkte nicht vorrangig nach dem Geschmack, sondern in erster Linie nach den Kriterien Transport- und Lagerfestigkeit. Tomaten etwa müssen eine Fallhöhe von einem Meter aushalten, um ins Sortiment zu gelangen“, weiß Peter Szekeres, der am Sonnabend das erste Lüneburger Saatgutfestival auf die Beine stellte, an dem neben vielen Hobbygärtnern auch zahlreiche lokale und regionale Initiativen, Vereine, Betriebe und Genossenschaften zum Thema Garten, Ernährung und Naturförderung teilnahmen.

Stecklinge von seltenen Apfelsorten gab es gegen eine kleine Spende bei Dr. Olaf Anderson.

Und das mit einem, selbst für den Diplombiologen und Ausstellungsgestalter überraschenden Erfolg: Bereits kurz vor der offiziellen Eröffnung am Mittag drängelten sich die Besucher durch die engen Flure des e.novum, um Saatgut zu tauschen, zu verschenken oder zu verkaufen, sich über das Kulturgut der lokalen Sorten, die Biodiversität der Kulturpflanzen und die ökologische Gartengestaltung zu informieren oder auch einfach nur um mal unter Gleichgesinnten zu fachsimpeln. Ganz vorn am Eingang mit dabei ist auch Doris Czarnetzki von der Saatzucht Bardowick, dem tatsächlich letzten von einst rund 300 im Flecken ansässigen Saatgutzüchtern. Das seit 2005 von Sven Blanquett geleitete Unternehmen macht heute 80 Prozent seines Umsatzes mit Rasensamen für unterschiedlichste Einsatzzwecke und setzt verstärkt auf den Vertrieb von Keimsprossen aller Art: „Die Superfood-Welle schwappt langsam auch aus den USA zu uns“, berichtet Czarnetzki über die Entwicklung der Branche.

Doris Czarnetzki (Mitte) zeigte beim Saatgutfestival verschiedene Keimsprossen, die auch probiert werden konnten.

Fürst Blücher, Geheimrat Dr. Oldenburg oder Prinz Albrecht von Preußen – so lautete nicht etwa die Gästeliste des Festivals, es sind die stolzen Namen teilweise jahrhundertealter Apfelsorten, deren Stecklinge Dr. Olaf Andersson ein paar Meter weiter gegen eine kleine Spende anbietet. Auch der Vorsitzende Vereins Lüneburger Streuobstwiesen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Streuobstwiesen und Obstbaumalleen in der Region zu erhalten und weiterzuentwickeln, bedauert die zunehmend eingeschränkte Auswahl in den Obst-Auslagen: „Bei der Reduzierung auf druckfeste und gut transportierbare Sorten ist leider der Geschmack auf der Strecke geblieben.“

Neueinsteigern in den Gemüseanbau rät Festivalorganisator Szekeres übrigens mit den „unkomplizierten“ Tomaten, Kürbis oder Salat anzufangen und auf mineralischen Dünger möglichst zu verzichten: „Kompost und Humus sind hier das A und O.“

Von Marcus Kieppe

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