Neues Landesjagdgesetz soll das Gehör der Jäger schützen / Innenministerium zieht die Bremse

Verwirrung um den Schalldämpfer

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Ein Schalldämpfer auf der Mündung eines Jagdgewehrs: Das Landesjagdgesetz erlaubt diese Zusatzausrüstung, das Innenministerium in Hannover stellt klar, dass es Genehmigungen nur in wenigen begründeten Ausnahmefällen gibt.

Bornsen. Ein Schuss fällt in der Dämmerung. Auf einer Waldlichtung bricht ein Reh zusammen. Jagdglück nennen das die Jäger. Der Braten landet in der Gefriertruhe oder wird an Freunde und Bekannte verkauft. Aber was macht der Schuss mit dem Jäger auf dem Ansitz?.

Der Niedersächsische Landtag wollte dessen Gehör schützen und hob mit der Änderung des Landesjagdgesetzes im Oktober das Verbot von Schalldämpfern auf. Der Zielgruppe nutzt das bislang nichts: Das Innenministerium in Hannover hat die Bremse gezogen. Das ärgert den Uelzener Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge.

Heinrich Hellbrügge

„Wenn man schießt, geht der Schall direkt ins Ohr“, erklärt der Jäger aus Bornsen. Experten haben errechnet, dass der Knall die Lautstärke eines Presslufthammers in einem Meter Entfernung hat. Hellbrügge sind verschiedene Jäger bekannt, deren Gehör durch die Jagd beeinträchtigt ist. Einige leiden sogar an einem Tinnitus. Deshalb tragen manche Grünröcke einen Gehörschutz. Die Sorge, dass Jäger zukünftig wie im Actionfilm lautlos jagen, ist für ihn unbegründet. „Mit dem Schalldämpfer wird der Schall vom Ohr weggetragen“, betont der Kreisjägermeister. „Der Knall ist derselbe.“

Das sieht das Innenministerium anders. Im November hat es die Waffenbehörden bei den Landkreisen und Städten sowie die Polizeidirektionen in einem Erlass darauf hingewiesen, dass es Genehmigungen nur in wenigen begründeten Ausnahmefällen geben kann. Das bestätigt Ministeriumssprecherin Svenja Mischel. „Dass das Verbot im Jagdgesetz aufgehoben wurde, heißt nicht, dass es jetzt erlaubt ist“, stellt sie klar. Entscheidend sei das Waffenrecht, und das sei ein Bundesrecht.

Durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von Ende November sieht sich die Sprecherin bestätigt. „Darüber hinaus kommt dem Schutz des Jägers vor den nachteiligen Auswirkungen des Schießens kein Vorrang vor dem Zweck des Waffengesetzes zu, den privaten Besitz schallgedämpfter Schusswaffen soweit als möglich zu verhindern“, teilte das Gericht mit.

Aus Sicht von Kreisjägermeister Hellbrügge ist das ärgerlich, denn in anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg werden Genehmigungen für Schalldämpfer erteilt. Das führt zu paradoxen Situationen. So habe ein Gastjäger in der Göhrde seinen Schalldämpfer benutzen dürfen, weil er eine Genehmigung aus seinem Bundesland besaß. „Wir Niedersachsen können nicht verstehen, warum andere damit jagen dürfen und wir nicht“, beklagt Hellbrügge. „Das ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.“

Von Gerhard Sternitzke

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