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Ausstellung im Museum Lüneburg über das japanische Kriegsgefangenenlager Bando

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Von: Lars Lohmann

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In solchen Baracken waren die Gefangenen während ihres Aufenthalts im Lager untergebracht.
In solchen Baracken waren die Gefangenen während ihres Aufenthalts im Lager untergebracht. © Deutsches Haus Naruto

Lüneburg. Ein Stück deutsch-japanischer Geschichte steht im Mittelpunkt der seit gestern für Besucher geöffneten Sonderausstellung „Begegnungen hinter Stacheldraht“ des Museums Lüneburg.

Etwa 953 Kriegsgefangene verbrachten die Zeit von 1917 bis 1920 im Lager Bando. Foto: Stadtarchiv Lüneburg
Etwa 953 Kriegsgefangene verbrachten die Zeit von 1917 bis 1920 im Lager Bando. © Stadtarchiv Lüneburg

Dort geht es um die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers im japanischen Ort Bando, der heute zu Lüneburgs Partnerstadt Naruto gehört. Dort waren von 1917 bis 1920 etwa 953 deutsche und österreichisch-ungarische Soldaten interniert, die bei der Kapitulation der deutschen Kolonie Tsingtau in China in Kriegsgefangenschaft gerieten. Anlass der Ausstellung ist die zehnjährige Partnerschaft zwischen der Präfektur Tokushima und dem Land Niedersachsen. „Die Ausstellung zeigt nicht nur eine wenig bekannte Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg, sondern betont auch die lokalen und regionalen Bezüge des Themas“, heißt es in einer Pressemitteilung des Museums Lüneburg. So werden in der Ausstellung etwa Skizzen des Lagerinsassen Willy Muttelsee gezeigt, die den Alltag in Bando zeigen. Zudem wird ein Bogen vom Zeitalter des Imperialismus und den Bestrebungen des Deutschen Reiches nach einem Platz an der Sonne bis zum Ersten Weltkrieg geschlagen.

Das Besondere an dem Lager Bando sind laut Museum Lüneburg vor allem die vielfältigen kulturellen Aktivitäten und die großen Freiheiten, die die Gefangenen dort genossen. So entwickelte sich ein facettenreiches Lagerleben mit Holzbuden als Verkaufsständen, einer Druckerei, in der auch die Lagerzeitung „Die Baracke“ gedruckt wurde, und es gab Sportplätze, auf denen die Gefangenen Fußball, Schlagball, Faustball und andere Sportarten betrieben.

Hinzu kamen noch Musik und Theateraufführungen der Kriegsgefangenen, die von der einheimischen Bevölkerung besucht wurden. So fand im Lager am 1. Juni 1918 die erste Aufführung von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie auf japanischen Boden statt. Der laut Museum Lüneburg heimlichen Nationalhymne des Lands der aufgehenden Sonne. Um an die Uraufführung zu erinnern, hat bereits im März ein gemeinsames Konzert von deutschen und japanischen Chören im neuen Audimax stattgefunden. Zum 100. Jubiläum der Uraufführung auf asiatischem Boden folgt der Gegenbesuch 2018. Dann sollen in der Kulturhalle Naruto 800 Mitwirkende die Ode an die Freude erklingen lassen.

Die Ausstellung in Lüneburg kann bis zum 23. Juli besichtigt werden. Parallel zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm, in dem Besuchern die japanische Kultur von der japanischen Teezeremonie über japanische Trommeln bis zum Shogi, einem strategischen Spiel der Samurai, nähergebracht wird.

Von Lars Lohmann

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