Anlaufstelle mitten im Ort

Verein „Von Menschen für Menschen“ bezieht eigene Räume in Bienenbüttel

Die Vereinsmitglieder vor dem neuen Vereinsheim in Bienenbüttel
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Freuen sich über die Räumlichkeiten, die ihrem Verein ab sofort zur Verfügung stehen (von links): Pamela Scheler, Nadine Kröger, Aline Salinski und Tanya Calabrese.

Vor gut einem Jahr wird Pamela Schelers Idee, regelmäßig etwas für hilfsbedürftige Bienenbütteler zu tun, immer konkreter (AZ berichtete). Seit dem 1. Januar stehen dem Verein, der inzwischen beim Amtsgericht Lüneburg eingetragen ist, eigene Räumlichkeiten in Bienenbüttel zur Verfügung. Ein Unternehmer übernimmt die Miete für die ehemalige Fahrschule an der Ebstorfer Straße 1.

Bienenbüttel - In Salinski, Nadine Kröger und Tanya Calabrese findet Pamela Scheler schnell begeisterte Mitstreiterinnen: „Wir haben alle nach einer Möglichkeit gesucht, uns einzubringen. Wir wussten bloß nicht, wie. Pamelas Dynamik hat sich auf uns übertragen.“ Gemeinsam bestücken sie das vergangene Jahr über Taschen und Kartons mit Lebensmitteln und anderen Dingen für den täglichen Bedarf, die bei Scheler zu Hause abgeholt werden können. 45 Haushalte unterstützt der Verein inzwischen.

Angefangen hat alles mit privaten Spenden, inzwischen gibt es eine Vielzahl regionaler Firmen, die zum Beispiel mit Geldspenden oder Gutscheinen helfen. Mit den eigenen Räumlichkeiten soll die Ausgabe jetzt professioneller aufgezogen werden. Derzeit wird renoviert. Schon bald sollen sich dort Regale, Kühl- und Gefrierschränke füllen und die Abgabestelle zu festen Öffnungszeiten geöffnet sein. Nadine Kröger: „Wir möchten den Menschen eine stabile, zuverlässige Hilfe bieten.“

Die Idee dazu kommt Pamela Scheler bereits, als sie sich beim DRK-Ortsverein und in der Gruppe „Zeit für Mütter“ engagiert. Bereits viele Jahre vor der Corona-Pandemie trifft sie immer wieder Mütter, oft alleinerziehend, die zum Ende des Monats für sich selbst nichts mehr zu essen haben oder nicht einmal eine zweite Bettwäsche-Garnitur besitzen. Mal ist es eine Packung Saft, mit der eine Mutter ihre Tochter glücklich macht, mal ein Überraschungsei, das eine andere ihrem Sohn mitbringen kann. „Die Mütter wollen für sich selbst nichts haben, es geht ihnen meist um ihre Kinder“, ist die Erfahrung der Bienenbüttelerin. Von einer Frau, die ihre Tiere nicht mehr versorgen kann, als sie von Kurzarbeit betroffen ist, kann sie ebenfalls berichten. Auch hier kann der zwischenzeitlich gegründete Verein dank privater Spenden einspringen.

Futter für die Tiere

Der Verein unterstützt außerdem zum Beispiel ältere Menschen, die, wie Scheler selbst oft genug erlebt, „am Ende des Monats mit dem Taschenrechner im Supermarkt stehen, weil die Rente nicht reicht“. Dabei stoßen die engagierten Frauen immer wieder auf große Hemmungen, um Hilfe zu bitten. „Viele denken, es gäbe Menschen, denen es noch schlechter geht. Dass sie keine Unterstützung verdient haben. Aber wir urteilen nicht, bei uns muss sich keiner dafür rechtfertigen“, macht Tanya Calabrese deutlich.

Um den Menschen zu helfen, fragen sie in Einkaufsläden, ob diese nicht verkaufte Lebensmittel übrig haben. Auch Firmen werden um Unterstützung in Form von Spenden oder Gutscheinen gebeten. Was Privatspenden betrifft, erfahren viele durch Mundpropaganda vom Hilfsverein. „Die Bereitwilligkeit zu spenden, ist sehr groß“, ist Pamela Scheler begeistert.

In diesem Kontext verweisen die Vorstandsmitglieder jedoch noch einmal darauf, dass es ums „Alltägliche“ geht – benötigt werden grundsätzlich Lebensmittel, Hygiene- und Reinigungsartikel (mehr dazu im Infokasten). Andere Sachspenden möchte der Verein nur nach Absprache annehmen. „Manche stellen Umzugskartons mit Schuhen oder Kleidung vor meiner Haustür ab“, schildert Scheler. Das Problem: Die Ehrenamtlichen organisieren alles privat und verfügen nicht über Lagerkapazitäten.

Sie bitten Spendenwillige außerdem eindringlich darum, nichts Angefangenes, sondern nur originalverpackte Lebensmittel und Konsumgüter abzugeben. „Bitte spenden Sie nur das, was Sie auch annehmen würden“, appellieren sie an die Bürger. Heißt also: Keine angefangene Duschgel-Flasche, keine getragene Unterwäsche und keine Schuhe mit Löchern. Markenartikel müssen es dagegen nicht sein.

„Ich bin stolz darauf, dass wir innerhalb dieser kurzen Zeit so viel geschafft haben. Wir erleben viel Dankbarkeit – vonseiten der Menschen, denen wir helfen, aber auch vonseiten der Spender, die froh sind, etwas für andere tun zu können“, blickt Scheler gerührt auf das vergangene Jahr zurück. „Was ich so schön daran finde: Jeder gibt das, was er kann. Ob eine Packung Nudeln oder ein Riesenpaket, das wir aus Italien bekommen haben – das ist für uns alles gleich viel wert.“

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