Hanna und Onno Redell erzählen von der Leidenschaft für ihren Beruf

Varendorf: Eine Familie lebt für die Landwirtschaft

Onno Redell und seine Frau Hanna mit den drei Kindern auf ihrem Hof in Varendorf, den sie 2013 übernommen haben. Dort bauen sie Kartoffeln, Zwiebeln, Gerste, Weizen und Raps an. Die Eltern von Hanna Redell leben mit auf dem Hof.
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Onno Redell und seine Frau Hanna mit den drei Kindern auf ihrem Hof in Varendorf, den sie 2013 übernommen haben. Dort bauen sie Kartoffeln, Zwiebeln, Gerste, Weizen und Raps an. Die Eltern von Hanna Redell leben mit auf dem Hof.

Varendorf – Ob rekordverdächtig oder nicht, auf jeden Fall ist es eine beeindruckende Zahl: Unter den rund 100 Einwohnern des Dorfes Varendorf in der Gemeinde Bienenbüttel leben zehn akademisch ausgebildete Agrarwissenschaftler – früher Diplomingenieur, heute „Master of Science“.

Nun mag man sich fragen: Wozu braucht ein Landwirt eine akademische Ausbildung? Sind in diesem Beruf nicht eher praktische Fähigkeiten gefragt?

Ein Besuch auf dem Hof von Familie Redell in Varendorf: Onno und Hanna leben hier mit ihren drei Kindern. Und wen wundert’s: Allein diese Familie stellt zwei der zehn Agrarwissenschaftler des Dorfes. „Das Studium macht noch keinen guten Landwirt, aber es bietet einen besonderen Blick über den eigenen Tellerrand und gibt einen Einblick in die enorme Vielseitigkeit dieses Berufes“, sagt Onno Redell.

Der gebürtige Ostfriese und seine Frau, die aus Varendorf stammt, sind sich einig, dass die klassische Ausbildung zum Landwirt im Alltag mindestens gleichwertig ist. Und der Alltag ist besonders: die Arbeit in und mit der Natur – und mit der Familie.

Manchmal nehmen Gespräche ihren ganz eigenen Lauf. So wurde dieses zu einer Geschichte über eine seit Generationen in der Landwirtschaft verwurzelte Familie, wie es sie noch einige auf den Dörfern des Landkreises gibt. Eben auch in Varendorf.

Redells übernehmen den Hof 2013

Schon die Großeltern und die Eltern von Hanna Redell waren Landwirte. Sie bauten und betrieben den Hof, der heute das Zuhause von Hanna und Onno Redell sowie ihrer zwei Söhne und ihrer Tochter ist. Ihre Großeltern hielten noch Milchvieh. Hanna Redell selbst wächst mit Ackerbau und Pferden auf. 2013 übernimmt sie dann den Betrieb wiederum von ihren Eltern.

Doch dass ihr Leben so laufen würden, war nicht von vornherein klar. „Ich habe mich für das Studium entschieden, weil es so vielseitig ist. Landwirt ist ein reizvoller Beruf, aber nach der Schule war ich mir noch unsicher, wohin es gehen sollte, vielleicht irgendwas in Richtung Biologie“, erzählt Hanna. Während des Studiums traf sie ihren Mann Onno. „Wir konnten uns vorstellen, den Hof meiner Eltern gemeinsam zu bewirtschaften.“ Die drei Kinder wachsen auf dem Hof auf, inmitten von Pferden, viel Natur und den Anforderungen der modernen Landwirtschaft. „Sie sind von klein auf mit dabei“, sagt das Paar. Oma und Opa leben nebenan. Dazu kommen die Lehrlinge, die ein Jahr auf dem Hof verbringen.

„Unsere Kinder können sich hier frei bewegen. Aber sie müssen auch mit anpacken und Verantwortung übernehmen. „Sie helfen im Alltag mit, wie zum Beispiel beim Laubharken, Pferde-Reinholen oder Kartoffeln sortieren“, erzählt Onno.

Die beiden Landwirte schätzen vor allem die Abwechslung, die ihnen ihr Beruf bietet. „Wir sind meist an der frischen Luft, können aber auch mal im Büro arbeiten“, erklären sie. Hanna Redell ist überwiegend für Haushalt und Papierkram zuständig. „Ich genieße es, wenn ich abends noch die Pensionspferde füttern kann, da habe ich dann Zeit für mich.“

Der Beruf ist abwechslungsreich

Der Hof ist Teil einer Betriebsgemeinschaft gemeinsam mit zwei anderen Höfen. „Das läuft schon in der zweiten Generation, seit rund 30 Jahren, und funktioniert reibungslos“, so die Landwirte. Der Vorteil dieser Gemeinschaft sei es, dass jede Familie sich so auch ihre Freiräume nehmen könne. „Dazu können wir Entscheidungen gemeinsam diskutieren, das macht vieles leichter im Alltag.“ Und dieser sei manchmal nicht einfach. „Es ist ein Auf und Ab, mal läuft es schlechter, mal besser.“

Nachhaltigkeit spielt eine größere Rolle

In den vergangenen Jahrzehnten habe die Landwirtschaft viele Entwicklungen durchgemacht. „Auch wenn Landwirte schon immer in Generationen gedacht haben, spielt das Thema Nachhaltigkeit heute eine viel größere Rolle als noch vor ein paar Jahren“, erklärt er. Hier hat sich vor allem die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit verändert. „Die Landwirte stehen deutlich mehr unter Beobachtung und ihr Handeln wird infrage gestellt, damit müssen wir umgehen.“

Ob eines der drei Kinder mal den Hof übernehmen wird, dass können Hanna und Onno Redell noch nicht vorhersagen. „Wir wollen ihnen nichts vorschreiben. Diesen Beruf muss man selbst wollen.“

Landwirt zu sein, das sei ein Lebenskonzept. „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man viel Arbeit und wenig Freizeit hat. Aber das ist es wert.“

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