Zum Jahresende macht die Location an der Lüneburger Uni dicht / Fortsetzung an verschiedenen Orten

Vamos – zukünftig ohne Kulturhalle

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So kennen die Lüneburger die Vamos-Kulturhalle. Zum Jahreswechsel ist endgültig Schluss. Das Veranstalterteam will das Programm „zu 70 Prozent“ an wechselnden Orten in der Hansestadt fortsetzen.

Lüneburg. Irgendwie ist es immer weitergegangen. Siebenmal wurde der Mietvertrag für die Vamos-Kulturhalle auf dem Lüneburger Universitäts-Campus verlängert (AZ berichtete). Mehrmals hieß es, zum letzten Mal.

Die Veranstalter mobilisierten über 14 000 Unterstützer-Unterschriften für eine Online-Petition. Im März mischte sich sogar Oberbürgermeister Ulrich Mädge ein, damit es weiter Party, Konzerte und Comedy gibt, wo Soldaten Sport trieben. Auch jetzt glauben viele, dass sie im nächsten Jahr gleich neben dem neuen Audimax weitertanzen können. Sie irren.

Vamos-Sprecherin Nele Jennert: „Wir können nur versuchen, 70 Prozent vom Programm aufrechtzuerhalten.“

„Es gibt keine Verlängerung. Das ist jetzt wirklich das Ende“, sagt Nele Jennert, Sprecherin des Veranstalters, einer Tochter der Campus Management GmbH. „Der aktuelle Stand ist, dass wir zum 31. Dezember schließen, im Lauf des Januar die Halle räumen und der Universität übergeben.“ Als letzte Band feiert Torfrock am 29. Dezember „Bagaluten-Wiehnacht“. Die Universität als Vermieter hatte „Eigenbedarf“ geltend gemacht. Die Campus-Turnhalle müsse saniert werden. Die Immobilie werde deshalb als Ausweichquartier für den Hochschulsport benötigt.

In einer Rundmail Ende September hatte das Vamos-Team trotzig angekündigt: „Wir sehen uns 2018 wieder!“ Nele Jennert drückt es so aus: „Das Vamos lebt weiter, die Veranstaltungshalle gibt es nicht mehr.“ Das Team werde versuchen, ein Programm an verschiedenen Standorten zusammenzustellen. Die Ritterakademie der Campus Management GmbH, gehört dazu, und das Theater. „Wir sind auf der Suche nach Ausweichorten. Aber es wird nicht mehr den zentralen Ort geben“, bedauert Nele Jennert. „Es gibt in einer bestimmten Größenordnung keinen Ersatz.“

Keine Option mehr ist die geplante Arena Lüneburger Land. Das Projekt zieht sich hin, und die Campus Management GmbH kam als Betreiber nicht zum Zug. Für viele Veranstaltungen wäre sie auch zu groß, macht Nele Jennert deutlich, die Ritterakademie – mit einem ganz anderen Ambiente – für andere zu klein. Dort gibt es 280 Sitze. Die Vamos-Kulturhalle hat 720. Und die Miete im neuen Audimax der Universität könnten sich viele Künstler nicht leisten.

Folgen hat die Unsicherheit auch für das Programm. „Uns sind verschiedene Veranstaltungen durch die Lappen gegangen“, betont die Vamos-Sprecherin. „Geplant war nichts, weil wir keine Planung machen konnten ohne die Zusicherung der Leuphana.“ Für 2018 steht bislang nur ein Konzert. „Alte Bekannte“, Nachfolgeband der Wise Guys, tritt am 15. Juni im Theater auf.

„Wir werden 100 Prozent weitermachen, können aber nur versuchen, 70 Prozent vom Programm aufrechtzuerhalten“, meint Nele Jennert. Weil Stellen nicht neu besetzt worden seien, bekomme wenigstens niemand die Kündigung.

Die Geschichte des Vamos ist eng mit der Universität und den Lüneburger Studenten verbunden. Vor 23 Jahren gab der AstA den Anstoß für ein Veranstaltungszentrum. Mit Einverständnis der Universitätsleitung entstand das von Studenten selbst verwaltete Café Vamos zur Förderung des studentischen und kulturellen Lebens. 1997 übernahm der Verein Campus Lüneburg. Lange Jahre zahlte das Vamos keine Miete. Dafür habe man 1,25 Millionen Euro investiert. Unter anderem wurde eine Tribüne eingebaut.

Nach eigenen Angaben hat das Vamos 500 Kulturveranstaltungen und 2500 Partys organisiert, darunter nach Veranstalterangaben die ersten 40-up-Partys. Dass aus dem Vamos wieder eine Turnhalle wird, kann sich Nele Jennert jedenfalls nicht vorstellen. „Es gibt ja noch nicht mal Umkleidekabinen. Es ist – platt gesagt – eine Disko.“

Von Gerhard Sternitzke

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