Geschichtskreis forscht in alten Quellen

Untersuchung in Grünhagen: Auf der Suche nach dem Schloss

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Wilma Laudan zeigt den Zugang zum nicht genutzten Keller des alten Sommerschlosses in Grünhagen.

Grünhagen – 1989 siedelte sich Wilma Laudan aus Lüneburg im ehemaligen Forsthaus in Grünhagen an.

Das idyllisch an einem Bachlauf und hinter hohen Eichen versteckt gelegene Gebäude ist von der viel befahrenen B 4 aus gar nicht zu sehen, birgt aber viel Geschichte in und um sich herum. „Schade, dass die Mauern nicht reden können, ich würde viel Geld dafür bezahlen“, bedauert die 81-jährige Bewohnerin.

Weil ihr die Geschichte des Hauses und auch des Ortes am Herzen lag, schloss sich Wilma Laudan dem Geschichtskreis in Bienenbüttel an. Dort treffen sich Geschichtsinteressierte einmal im Monat, um nach Recherchearbeiten in alten Unterlagen bei Archiven in der Region und bei alteingesessenen Dorfbewohnern die Entwicklung über einen möglichst langen Zeitraum festzuhalten. „Sonst ist das irgendwann vergessen“, betont auch der Vorsitzende Holger Runne.

„Wir forschen alle in der Vergangenheit des eigenen Wohnortes“, erklärt Wilma Laudan. So werden Stadt- und Landkreis-Archive in Uelzen, Lüneburg oder Hannover besucht, alte Dokumente fotografiert und danach zu Hause übersetzt. „Die meisten sind in Sütterlin-Schrift verfasst, da muss man sich einlesen. Und oft enthalten viele Seiten Briefe oder Zusammenfassungen nur ein, zwei Hinweise, die uns in geschichtlicher Sicht weiterbringen“, weiß Wilma Laudan.

Zurzeit beschäftigt sie sich mit der Geschichte des Sommerschlosses, das etwa anstelle des heutigen Hotels im Dorf gestanden haben soll. Eine alte Luftbildaufnahme könnte einen Teil der Grundmauern belegen, die im Keller des Hotels angesehen werden können. Ein Kontakt mit dem Stadt- und Kreisarchäologen Dr. Fred Mahler ist noch nicht zustande gekommen. Aber die Restaurant-Betreiber öffnen bereitwillig ihren Keller, dessen Boden die typischen großen Klostersteine bedecken.

An den Wänden sind teilweise Felssteine sichtbar, die Decke ist aus Stabilitätsgründen in Tonnenbauweise angelegt und für heutige Verhältnisse sehr niedrig. Derartige Keller wurden meist zugeschüttet; nur noch wenige sind heutzutage frei zugänglich. Eine Treppe zur früheren Küche darüber ist über die Jahre überbaut worden. Die gut einen Meter dicken Wände enthalten Luftkanäle, die sich zur Außenseite verjüngen. So war Licht- und Luftzufuhr gewährleistet. Heute sind auch diese teilweise verschlossen.

Wilma Laudan will weiter auf den Spuren des hier von ihr vermuteten Sommerschlosses des Klosters St. Michaelis zu Lüneburg bleiben. Wenn weitere Forschungen mehr Hinweise ergeben, entsteht sicher wieder ein Buch über die alten Abläufe.

23 Bände geballte Dorf- und Familienchroniken hat der Bienenbütteler Geschichtskreis bereits zusammengetragen und verlegt, der 24. Band ist in Arbeit. In Buchhandlungen sind diese erhältlich und schon an Familienangehörige in Afrika und Amerika verkauft worden.

Viele Kontakte konnte die rüstige Forscherin so schon knüpfen. „Per E-Mail ist das kein Problem, und außerdem hält es fit“, sagt sie. Ein dicker Stapel Unterlagen wartet noch auf die Sichtung der 81-Jährigen. „Die Geschichte muss einfach festgehalten werden.“

VON MONIKA BUHR

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