Zurück zur natürlichen Form

Unterhaltungsverband gestaltet gut 200 Meter des Eitzener Bachs um

Verbandsingenieurin Sarina Brandenburg und Praktikant Folke Wagner werfen gestern noch einmal einen Blick auf die Skizzen. Im Hintergrund heben Bagger bereits das neue Gerinne für den Eitzener Bach aus.
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Verbandsingenieurin Sarina Brandenburg und Praktikant Folke Wagner werfen gestern noch einmal einen Blick auf die Skizzen. Im Hintergrund heben Bagger bereits das neue Gerinne für den Eitzener Bach aus.

Eitzen I – Fast schnurgerade verläuft der Eitzener Bach etwas außerhalb von Eitzen I. 1953 wurde der ursprünglich kurvige Lauf – wie bei vielen Flüssen und Bächen in der damaligen Zeit – begradigt, um die umliegenden Flächen besser nutzen zu können.

Heute ist der Bach zugewachsen, man muss genau hinschauen, um das etwa 50 Zentimeter tiefe Wasser zu erkennen.

Direkt neben dem geraden Bachlauf sind gestern zwei große Bagger im Einsatz. Einer trägt auf einer Breite von rund sieben bis zehn Metern den Boden ab. Die Schaufel des zweiten Baggers gräbt sich kraftvoll in den Boden und hebt ein zwei Meter breites Gerinne aus. Es entsteht ein neuer Lauf für den Eitzener Bach. Schon gestern ist zu erkennen: Er wird kurvig – und kommt damit näher an die ursprüngliche Form des Fließgewässers heran.

„Wir machen die Maßnahme aus den 1950er-Jahren rückgängig“, erklärt Sarina Brandenburg, Verbandsingenieurin beim Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere und Obere Ilmenau. Die Fläche, die für die Renaturierung genutzt wird, bleibt im Besitz des örtlichen Landwirts, mit dem laut Ingmar Sannes – ebenfalls Verbandsingenieur – bereits vor rund eineinhalb Jahren die ersten Gespräche geführt wurden. Die Nutzung wird entschädigt.

70 000 Euro investiert der Unterhaltungsverband am Eitzener Bach, ein Siebtel davon sind Planungskosten. Etwa zwei Wochen sollen die Arbeiten dauern, je nach Witterung kann es länger dauern. „Wenn es stark regnet, müssen wir erst einmal abbrechen“, erklärt Sannes. Denn die schweren Fahrzeuge – vor allem die Lkw, mit denen Kies geliefert wird – könnten sich festfahren.

800 000 Tonnen Kiessubstrat werden auf 260 Metern verarbeitet und werden für die Modellierung der Gewässersohle genutzt. Später bietet der Kies einen Lebensraum für Kleinstlebewesen sowie einen Laichraum für Fische. An dem Punkt, wo der neue Bachlauf den alten ersetzt, wird ein Sandfang eingerichtet, blickt Sarina Brandenburg voraus. Denn: „Die Sandfracht ist unser größtes Problem. Wir wollen nicht, dass der Kies in ein paar Jahren vollständig mit Sand bedeckt ist.“ Der alte Bachlauf bleibt erhalten, um bei Hochwasser als eine Art Überlaufbecken zu fungieren. Niedrig- und Mittelwasser sollen dagegen ausschließlich durch das neue Gerinne fließen.

Anders als bisher wird der Eitzener Bach an beiden Seiten von einer Sekundäraue umrahmt. Dabei wechseln sich Prall- und Gleithänge quasi ab. „Wir ebnen dem Wasser so seinen natürlichen Weg“, erzählt die Verbandsingenieurin. Insgesamt dient die Maßnahme dazu, naturnahe Lebensräume zu erschaffen. So kann ein Prallhang auch als Nistplatz für den Eisvogel dienen. Geplant sind zudem zwei Teiche, obwohl Stillgewässer nicht Kernaufgabe des Verbandes sind. Aber: „Wann haben wir schon die Chance, eine so große Fläche bekommen, auf der wir uns austoben können?“, sagt Brandenburg schmunzelnd und zufrieden zugleich. VON FLORIAN BEYE

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