Bienenbütteler Arbeitskreis veröffentlicht neuen Spurenband

Unerschöpfliche Geschichte

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Bienenbüttels Archivar Holger Runne mit dem 20. Band der „Spuren“-Reihe, in dem die Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte einzelne Beiträge zusammengestellt haben.

Bienenbüttel. Ein langes Regal mit alten Büchern, Kartons mit alten Dokumenten und ein ausrangierter Bürotisch – das ist das Bienenbütteler Gemeindearchiv.

Hier treffen sich die Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte, um der Vergangenheit ihrer Gemeinde immer neue Details zu entreißen. Und offenbar ist diese Quelle unerschöpflich: Jetzt legt Gemeinderarchivar Holger Runne als Herausgeber bereits Band 20 der „Spuren“-Reihe vor.

„Es gibt immer noch genug zu tun“, sagt Runne. Zwei Bände pro Jahr, das haben sich die Heimatforscher vorgenommen. Die aktuelle Veröffentlichung, 130 Seiten dick, ist Band zwei der „Entdeckungen“, in denen die Autoren kleinere Abhandlungen zu gemischten Themen zusammengestellt haben. Und das lohnt sich für den Leser.

So erfährt er von Eberhard Behnke Näheres über Bienenbüttels ersten Chronisten Philipp Julius Toppius, dessen 300 Jahre altes Pfarrtagebuch wie durch ein Wunder auf einem Dachboden erhalten geblieben ist. Der Pastor berichtete über die umstrittene Einführung neuer Gesangbücher im Jahr 1696, einen schweren Orkan, der 1703 auch das Pfarrhaus abdeckte, und die Pest, die Bienenbüttel im Juli 1713 heimsuchte. Der Ort wurde von Soldaten abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt. 46 Einwohner starben.

Holger Runne erzählt vom Alltagsleben vor 300 Jahren, das in den Protokollbüchern des Klosters St. Michaelis lebendig wird. In Schönschrift haben die Schreiber protokolliert, wenn eine Prügelei zur Verhandlung kam oder ein Bienenbütteler ins Gefängnismusste, weil er eine Strafe nicht bezahlt hatte. „Man muss aber sagen, dass das Kloster noch sehr großzügig war“, findet Runne.

Der Leser erfährt noch mehr, etwa über den früheren Einzelhof Dieksbeck, der an der damaligen Heerstraße zwischen Hohenbostel und Deutsch Evern lag. Da dort zeitweise eine Gastwirtschaft betrieben wurde, gab es 1691 Beschwerden über das unmoralische Treiben in der Schankwirtschaft, berichtet Hans-Günter Beecken. Von Saufgelagen, Raub, Totschlag und Hurerei ist die Rede. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Gehöft bei der Vergrößerung des Standortübungsplatzes.

In weiteren Beiträgen geht es um die Hobby-Archäologin Frieda Harms, frühere Erdzeitalter, einen Brief aus Grünhagen oder eine alte Kaminplatte. Klaus Wedekind schließlich wertet alte Zeichnungen aus. Sie zeigen die früheren Riester Hünengräber, die Bienenbütteler Kirche vor dem Neubau oder das verschwundene Schloss der Äbte von St. Michaelis in Grünhagen.

Von Gerhard Sternitzke

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