Nordjob-Ausbildungsmesse in Bienenbüttel: 48 Unternehmen und Schulen buhlen um Bewerber

Umworbener Nachwuchs

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Stabsfeldwebel Frank Bischof von der Karriereberatung der Bundeswehr in Lüneburg: „Diejenigen, die sich für den Arbeitgeber Bundeswehr interessieren, wollen körperlich gefordert werden.“

Bienenbüttel. Große Bildschirme, auf denen die neuesten Modelle zu sehen sind, bequeme Sitzgelegenheiten, Auszubildende, die Infomaterial verteilen: Das Uelzener Autohaus Wolter ist mit einem eigenen Bus in Bienenbüttel vertreten.

„Man misst die Spannungsversorgung, baut den Motor auseinander, montiert den Zahnriemen ab“, erklärt Nils Havemann, Mechatroniker im dritten Lehrjahr. Die Wirtschaft umwirbt den Nachwuchs. Gegenseitig beschnuppern konnten sich beide Seiten am Dienstag und Mittwoch bei der Nordjob-Messe in der Bienenbütteler Ilmenauhalle.

Auch am zweiten Tag herrscht ein Kommen und Gehen. 1600 Schüler von 30 Schulen in den Landkreisen Uelzen, Lüneburg und Harburg nutzen die Gelegenheit zur Berufsorientierung. Jeder von ihnen hat Gesprächstermine bei drei der 48 Unternehmen, Berufsfachschulen und Hochschulen vereinbart. Manche kommen in Hemd und Jackett, haben auch ihr Zeugnis dabei.

Tim Bohn aus der neunten Klasse der Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule in Bardowick interessiert sich für die Bauzeichner-Ausbildung beim Helmholtz-Zentrum Geesthacht. „Ich bräuchte einen Realschulabschluss ab Note drei“, erzählt der 15-Jährige. Die Messe gefällt ihm: „Es ist alles übersichtlich, und die Leute an den Ständen sind freundlich.“

„Man merkt, dass die Schüler gut vorbereitet sind“, sagt Mirko Peters, Mitarbeiter der Personalabteilung bei der Uelzena. Das Unternehmen sucht jedes Jahr zehn bis zwölf Auszubildende als Milchbiologe, Fachinformatiker, Industriekaufmann oder Lagerist. „Man ist jetzt froh über jede Bewerbung“, so Peters. „Es ist aber schwer, Bewerber aus Lüneburg nach Uelzen zu kriegen.“

Azubi Nils Havemann (hinten links) und Marketing-Mitarbeiter Maximilian Rudlo informieren im Bus des Autohauses Wolter.

Junge Leute wollen nur noch ins Büro? Der Stand der Bundeswehr ist umlagert. 500 Schüler haben sich angemeldet. „Diejenigen, die sich für den Arbeitgeber Bundeswehr interessieren, wollen körperlich gefordert werden“, erklärt Stabsfeldwebel Frank Bischof von der Karriereberatung in Lüneburg. Das Heer bietet 400 Ausbildungsgänge. Neben körperlicher Fitness ist ein Realschul- oder guter Hauptschulabschluss mit dem Notenschnitt 2,5 erwünscht. Wichtig sind Deutsch, Englisch, Mathe und Physik. „Warum Physik?“, fragt ungläubig einer der Schüler. Das Heer ist hochtechnisiert, macht Bischof deutlich. „Der Infanterist hat den Laptop auf dem Rücken und ein Display, das er einblenden kann.“

Das Herz- und Gefäßzentrum stellt das neue Berufsbild der Kranken- und Altenpflegefachkraft gemeinsam mit der Krankenpflegeschule des Altmarkklinikums Salzwedel vor. „Wir sind aus- gebucht“, berichtet Heike Baumann von der Pflegedirektion.

Die Schüler haben viele Fragen mitgebracht. Wichtig ist Pflegedirektorin Sabine Gerhardt, dass die Bewerber neben guten Noten soziale Kompetenz mitbringen. „Sie haben es immer mit Menschen zu tun.“

Mirko Peters, Mitarbeiter der Personalabteilung bei Uelzena: „Es ist schwer, Bewerber aus Lüneburg nach Uelzen zu kriegen.“

Die Sparkasse verlässt sich nicht auf die Note des erweiterten Realschulabschlusses. „Wir laden zu einem Eignungstest ein“, berichtet Personalentwicklerin Sabine Kühn. Dabei gehe es auch um die Sozialkompetenz. Vertreten sind auch Steuerverwaltung, Polizeiinspektion und Zoll. Nicht ganz zufrieden ist Alexander Simmack, Ausbildungskoordinator beim Lüneburger Softwareunternehmen Werum. „Wenige sind vorbereitet und stellen Fragen.“ Während das duale Studium bei dem internationalen Unternehmen begehrt ist, wird es schwerer, geeignete Auszubildende zu finden, verrät Personalreferentin Esther Dimitriades. Für Lehrlinge gibt es sogar Nachhilfe in Mathe.

Von Gerhard Sternitzke

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