„Typ Traum-Schwiegersohn“ im Gasthaus Oetzmann in Edendorf

Gast zahlt Miete nicht und stiehlt Bargeld sowie Autokennzeichen

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Ein Einmietbetrüger hat im Edendorfer Gasthaus Oetzmann zugeschlagen. Er zahlte die fällige Miete nicht und stahl mehrere Portemonnaies und eine Kassenkassette mit Wechselgeld sowie die komplette Kasse aus der Gaststube.

Edendorf. Als der etwa 40-jährige Gast direkt auf ein bestimmtes Zimmer zusteuert, denkt sich Irmgard Oetzmann zunächst nichts dabei. Schließlich ist der Mann im Dezember schon einmal im Gasthaus Oetzmann in Edendorf gewesen.

Nun nimmt er wieder dasselbe Zimmer direkt über der Bäckerei. Von dort hat er einen guten Blick auf den Hof und kann alles beobachten: wann die Gesellen kommen und gehen, wann die morgendlichen Touren der Bäckerei beginnen. Und er kann – weil die Türen nebeneinander liegen – von seinem Zimmer aus beobachten, wann Irmgard Oetzmann aus der Gaststube in ihr Zimmer geht.

Das alles ist der 80-Jährigen aber erst jetzt klar. Der Gast ist ein Betrüger, hat die Miete für sein Zimmer nicht gezahlt und zudem eine Kassenkassette und Portemonnaies mit Wechselgeld gestohlen. „Sogar die schwere, altmodische Kasse aus der Gaststube hat er mitgenommen“, erzählt Irmgard Oetzmann. Ein großer finanzieller Schaden sei nicht entstanden und kaputt gemacht habe der Mann auch nichts, aber: „Das ist eine Dreistigkeit ohne Ende“, schimpft die Edendorferin.

Sie beschreibt den Mann als höflich, ordentlich und gutaussehend. „Er war der Typ Traum-Schwiegersohn, wie man heute sagen würde.“ Seit Donnerstag ist er Gast in ihrem Haus gewesen, bis Montag habe er bleiben wollen, berichtet Oetzmann. Stattdessen macht er sich in der Nacht zu Sonntag aus dem Staub, mit seiner Beute, zu der auch die Kennzeichen eines Bäckerei-Wagens zählen. „Er hat gewartet, bis ich im Bett war, und hat dann losgelegt“, ist sich Oetzmann sicher. Sie fügt mit einigem Galgenhumor hinzu: „Das war doch rücksichtsvoll, er hätte mir auch einfach eine überbraten können.“

Der Unbekannte habe bereits im Dezember erzählt, dass seine Eltern einen landwirtschaftlichen Hof in Schleswig-Holstein hätten und er zu Besuch bei Jagdfreunden in der Gegend sei, sagt Oetzmann: „Das Autokennzeichen NF für Nordfriesland passte zu der Geschichte.“ Im Dezember habe der Gast zudem ganz regelkonform bezahlt. Auch deshalb hat die Seniorin nicht gedacht, dass sie einem Betrüger aufgesessen ist: „Wir haben uns ganz nett unterhalten, er kannte sich bei Sachen wie Landwirtschaft, Jagd und Wölfen wirklich gut aus.“

Etwas stutzig habe sie gemacht, dass das Autokennzeichen bei diesem Besuch ein anderes gewesen sei: nämlich HOR. „Das hat er damit erklärt, dass seine Familie mittlerweile einen weiteren Hof in Mecklenburg-Vorpommern gekauft habe“, erzählt Irmgard Oetzmann. Was sie erst später herausfindet: HOR ist ein regionales Kennzeichen aus dem Raum Freudenstadt in Baden-Württemberg.

Die Ermittlungen der Polizei dauern an, berichtet Sprecher Kai Richter auf AZ-Nachfrage. Die Chance, den Täter zu erwischen, hänge von vielen Faktoren ab, sei aber nicht so gering, meint Richter.

Von Florian Beye

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