150 Jahre Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Kritik an Gastrobranche: Trickserei beim Mindestlohn

+
Die Hotel- und Gastrobranche ist das Sorgenkind der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Tarifverträge gelten nur für einen Teil der Betriebe und viele Arbeitgeber unterlaufen bei der Abrechnung den Mindestlohn, kritisiert die NGG.

Bienenbüttel/Lüneburg. Klein, aber fein: Ohne lautes Getöse handelt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Tarifabschlüsse aus, von denen auch die Beschäftigten von Betrieben in der Region Uelzen-Lüneburg profitieren, so bei Coca Cola (plus 3,2 Prozent), bei der DeVauGe (2,75), Hochwald (2,7), Nestlé-Schöller (2,7), Nordzucker (2,4), Trinks (3,1), Uelzena und Molda (2,45). Am Sonnabend feiert die NGG Lüneburg in Bienenbüttel ihr 150-jähriges Bestehen.

„Nur eine starke Gewerkschaft sichert auch gute Arbeitsplätze in der Region“, ist Geschäftsführerin Silke Kettner überzeugt. So habe eine starke Belegschaft 2007 den Austritt der Eisfabrik Nestlé-Schöller in Uelzen aus dem Tarifvertrag verhindert. Bei der Bohlsener Mühle wurde in diesem Jahr ein Betriebsrat gegründet.

Das Sorgenkind der Gewerkschaft ist dagegen die Hotel- und Gastronomiebranche, denn nur wenige Betriebe sind an die aktuelle Tariferhöhung von 2 bis 2,5 Prozent gebunden, der Organisationsgrad der Beschäftigten, von denen die meisten in Teilzeit arbeiten, ist gering, und viele Unternehmen umgehen laut Gewerkschaft die Regelungen des Mindestlohns: „Aus der Beratungspraxis stellen wir fest, dass in der Branche nicht die gesamte Arbeitszeit bezahlt wird, dass Überstunden nicht bezahlt oder ausgeglichen werden und dass auf diesem Weg auch nicht der Mindestlohn bei den Leuten ankommt“, beklagt die Geschäftsführerin im AZ-Interview.

Dennoch konnte die NGG, vermutlich gerade wegen der Debatte über den Mindestlohn, auch ihre Mitgliederzahlen in dieser Branche steigern. Insgesamt wuchs der Bezirk Lüneburg, zu dem die Landkreise Uelzen, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Harburg, Heidekreis und Verden gehören, gegen den allgemeinen Trend zum Schwund bei den Gewerkschaften in den vergangenen fünf Jahren auf insgesamt 3000 Mitglieder.

Von Gerhard Sternitzke

Das Interview steht heute in der gedruckten sowie auch in der digitalen Ausgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare