Der Oldendorfer Biobauer Reiner Bohnhorst nimmt heute an der Großdemonstration in Berlin teil

Trecker-Protest gegen Agrarpolitik

+
Brechen gestern in Oldendorf II mit vier Traktoren zur Großdemonstration in Berlin auf (von links): Elisabeth Schrader, Alfred Preuß, Niklas Stolte und Biobauer Reiner Bohnhorst.

Oldendorf II/Varendorf. Um neun Uhr lässt Reiner Bohnhorst gestern den Trecker an. Der Dieselmotor lässt 125 raue Pferdestärken hören.

Locker zieht er schwere Maschinen, doch gestern fährt der 42-jährige Biobauer nicht auf eines seiner Felder rund um den Hof in Oldendorf II bei Natendorf. Zusammen mit Mitarbeiter Niklas Stolte, Praktikantin Elisabeth Schrader und Freund Alfred Preuß startet er nach Berlin – zur Großkundgebung „Wir haben es satt“, die heute auf dem Potsdamer Platz stattfindet. Mit dabei zwei große Anhänger, die Transparente tragen sollen. In Dannenberg schließen sie sich mit ihren vier Traktoren anderen Bauern an, die nach Berlin wollen. Für die Fahrtstrecke von rund 260 Kilometern benötigen sie einen ganzen Tag.

„Wenn die Bauernhöfe sterben, sterben die Dörfer auch“, sagt der Vater von vier Söhnen. Das Bündnis, dem neben Landwirten auch Tierschützer, Umweltschützer und Lebensmittelhandwerker angehören, protestiert zum siebten Mal – pünktlich zur Grünen Woche – gegen industrielle Landwirtschaft, Massentierhaltung und den Einfluss großer Konzerne. Von Anfang an dabei: Reiner Bohnhorst, der mit einem zweiten Oldendorfer Bauern auf 385 Hektar Land Kartoffeln, Getreide und das exotische Quinoa anbaut.

Viele Verbraucher sind schon weiter als die Politik, ist Bohnhorst überzeugt, der auch Vorstandsmitglied beim Anbauverband Bioland ist. „Die wollen bäuerliche Landwirtschaft, hinter der Menschen mit ihrem ganzen Herzen stehen, eine Fleischproduktion, die nicht industrialisiert ist, die artgerecht ist, wo es eine Beziehung zum Tier gibt.“ Das Problem: Im Supermarkt kaufen dennoch die meisten Verbraucher nach dem Preisschild. Mehrleistungen der Landwirte etwa für eine artgerechte Haltung werden nicht honoriert.

Und hier kommt für Bohnhorst die Politik ins Spiel. „Wir können hier nicht konkurrenzfähig für den Weltmarkt produzieren“, sagt der Biobauer. Statt Subventionen spricht er sich dafür aus, die gesetzlichen Regeln für die landwirtschaftliche Produktion anzuheben in Richtung mehr artgerechte Tierhaltung, weniger Dünger- und Pestizid-Einsatz. Dadurch, so seine Rechnung, verteuern sich die Produkte automatisch und tragen zum Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe bei.

Für den Oldendorfer geht es um Transparenz, denn billig, so seine Argumentation, sei die Massenware nur so lange, wie die Kosten für Abgase beim Transport, für Nitrat oder Pestizide im Grundwasser von der Allgemeinheit getragen würden. Hier müsse das Verursacherprinzip gelten. „Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen“, ist er überzeugt.

So viel steht für Bohnhorst fest: Zum Bauernprotest gehören auf jeden Fall die Trecker: „Ich komme mir so nackt vor ohne Trecker“, gibt er zu. „Und die Trecker haben eine gewisse Symbolkraft, wenn sie auf der Demonstration erscheinen.“

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare