Grüne Woche: Reiner Bohnhorst fährt zur Demo / Bauernverband zeigt „reale“ Landwirtschaft

Mit dem Trecker nach Berlin

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Reiner Bohnhorst fährt am Freitag mit dem Trecker nach Berlin: „Ich demonstriere gegen eine Agrarpolitik, die den Landwirten vorgaukelt, dass sie immer noch größer werden müssen.“

Oldendorf II. Durchfressen kann man sich immer noch auf der Grünen Woche, die am Freitag eröffnet wird. Aber das (schlechte) Gewissen isst mit auf der großen Messe der Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin.

Und draußen machen am Sonnabend die Teilnehmer der achten Großdemonstration „Wir haben es satt“ Druck. Bauern und andere Gruppen bieten dort der Agrarindustrie die Stirn, kündigt der Lüneburger Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Anmelder der Demonstration, an. Er rechnet mit 120 Treckern, die den Protestzug zur internationalen Agrarministerkonferenz anführen.

Mit dabei ist auch Reiner Bohnhorst, der am Freitag auf seinem Hof in Oldendorf II bei Natendorf startet. „Uns geht es um die Bevormundung durch die Riesen-Konzerne“, sagt der Biobauer, der Kartoffeln, Getreide und Quinoa anbaut. „Und ich demonstriere gegen eine Agrarpolitik, die den Landwirten vorgaukelt, dass sie immer noch größer werden müssen.“ Nitrat im Grundwasser und Tierquälerei in Ställen ist aus seiner Sicht Folge einer verfehlten Politik.

In dem Protestzug fahren laut Bohnhorst aber nicht nur Biobauern mit. Und seine Kritik richte sich auch nicht gegen die konventionell wirtschaftenden Berufskollegen: „Es geht nicht darum, irgendeinen Bauern zu diffamieren.“ Vielmehr demonstriere er dafür, dass Familienbetriebe ohne den ewigen Zwang zum Wachsen eine Chance zum Überleben haben. Dazu seien auch Subventionen weiterhin nötig.

Der Bauernverband Nordostniedersachsen ist auf dem Gemeinschaftsstand Elbe-Wendland auf der Grünen Woche vertreten. Dort werde die „reale Landwirtschaft“ gezeigt, kündigt der Kreisvorsitzende Torsten Riggert an. Dazu gehöre Gülle als wertvoller organischer Dünger oder das umstrittene Herbizid Glyphosat. „Fakten statt Emotionen“, lautet seine Devise.

Hauptproblem der Landwirte seien nicht die Konzerne. „Das Problem der Landwirtschaft ist die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel.“ Sie sei schuld an niedrigen Preisen für die Produkte.

Die Berührungsängste zwischen biologischen und konventionell wirtschaftenden Landwirten schwinden derweil. „Wir haben noch nie so viel Zulauf von umstellungswilligen Landwirten erlebt“, berichtet Biobauer Bohnhorst, der im Aufsichtsrat von Bioland Niedersachsen-Bremen sitzt. Der Bauernverband in Uelzen lud ihn für einen Vortrag ein.

Überhaupt, die meisten Ökolandwirte seien Mitglieder im Bauernverband, betont Riggert. „Ökolandwirtschaft ist eine Facette der Landwirtschaft.“

Von Gerhard Sternitzke

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