„Tradition im ständigen Wandel“

Gilde feiert 325 Jahre organisiertes Schützenwesen in Bienenbüttel

Der erste Gildeherr der Bienenbütteler Schützengilde, Uwe Seehafer, im Vorraum des Schießstandes in der Ilmenauhalle. 2018 ist für die Gilde ein Jubiläumsjahr: Sie feiert 325 Jahre organisiertes Schützenwesen in Bienenbüttel. Beye

Bienenbüttel. 325 Jahre organisiertes Schützenwesen in Bienenbüttel: Dieses Jubiläum feiert die Schützengilde in diesem Jahr. Erste Erwähnungen von Schützen in Bienenbüttel finden sich in Berichten des damaligen Pastors Philip Julius Toppius aus dem Jahr 1693. „Er schrieb damals über gottlose Schützen, die ihr Schießfest am dritten Pfingsttag feierten“, erzählt Uwe Seehafer.

Der 57-Jährige ist der Vorsitzende der Bienenbütteler Gilde, der erste Gildeherr. Aktuell zählt der Verein rund 220 Mitglieder. „In ihren Hochzeiten Mitte der 1970er-Jahre zählte die Gilde rund 400 Schützen“, berichtet Seehafer, der seit 2010 dabei ist.

„Uns fehlen junge Leute“, sagt er. Es werde immer schwieriger, Kinder und Jugendliche für den Schießsport zu gewinnen. Zum einen erlaube das Gesetz erst ab einem Alter von zwölf Jahren das Schießen mit dem Luftdruckgewehr – „da haben die Jugendlichen meist schon andere Hobbys wie Fußball“.Zum anderen seien viele Eltern der Meinung, dass Leute, die mit Waffen umgehen, Idioten seien und der Schießsport gefährlich sei, erklärt Seehafer: „Das ist er aber keinesfalls.“

Für ihn gehe es beim Schießen einerseits um den sportlichen Wettkampf. Im Jubiläumsjahr wird der 81. Schützenkönig der Neuzeit – sprich: seit der Vereinsgründung im Jahr 1927 – ermittelt.

Andererseits ist das deutsche Schützenwesen, das seit 2015 Unesco-Kulturerbe ist, für Seehafer auch Tradition. „Früher hatten die Schützen sogar polizeiliche und schützende Aufgaben“, erinnert Uwe Seehafer. Als es in Bienenbüttel noch einen Vogt gab, habe dieser einen „bewaffneten Haufen“ benötigt, um dem Herzog eine Art Bürgerwehr bieten zu können.

Seehafer ist über seinen Vater zur Schützengilde gekommen. Bevor er 2009 zurück nach Bienenbüttel zog, lebte er viele Jahre im Rheinland. „Dort habe ich den rheinländischen Karneval kennengelernt“, erzählt Uwe Seehafer. Die fünf Schützenfest-Tage erinnern ihn ein wenig an diesen Karneval. „Da merkt man, dass der Norddeutsche auch feiern kann.“ Dennoch sei die Gilde keine reine Feierbande.

Und auch keine militärische Einheit. „Mit den Uniformen wirkt es nach außen militärisch und steif, aber darin stecken immer Menschen“, betont Seehafer. Das Schützenwesen sei für ihn eine Tradition, an die man regelmäßig erinnern müsse. „Eine Tradition im ständigen Wandel.“

Die Schützengilde startet in ihr Jubiläumsjahr mit dem Wintervergnügen am Sonnabend, 20. Januar, ab 18 Uhr in der Markthalle. „Ein festlicher Ball, bei dem auch Nicht-Mitglieder willkommen sind“, sagt Seehafer. (Siehe weitere Termine im Infokasten).

Von Florian Beye

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