Mit der Liebe zum Rind

Alexander Schmidt aus Varendorf setzt mit Mutterkuh-Betrieb ganz aufs Tierwohl

Alexander Schmidt hockt vor einem Teil der Herde seiner Hereford-Rinder
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Alexander Schmidt kümmert sich mit viel Liebe und Geduld um seine Hereford-Rinder und baut Vertrauen zu ihnen auf. Das Tierwohl ist für ihn eine Herzensangelegenheit.
  • Daniel Bieling
    VonDaniel Bieling
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Varendorf - Alexander und Thomas Schmidt übernahmen 2018 eine Herde Hereford-Rinder und gründeten den Betrieb „Heiderinder“. Dabei setzen sie aufs Tierwohl und halten Mutterkühe.

Ein paar Rufe genügen, und schon setzt sich die Kuhherde in Bewegung. Neugierig, aber mit einer gewissen Zurückhaltung, steuern sie auf ihr „Herrchen“ Alexander Schmidt zu. „Man muss eine Verbindung aufbauen“, weiß Schmidt, denn eigentlich seien Kühe nicht den Umgang mit Menschen gewohnt.

Von der Agentur zur Landwirtschaft

Schmidt übernahm mit seinem Bruder Thomas im Jahr 2018 eine Herde Hereford-Rinder. „Wir kommen eigentlich beide aus dem nichtlandwirtschaftlichen Bereich“, sagt Alexander Schmidt. Während sein Bruder nach wie vor als Chef einer Agentur für digitale Bildung tätig ist, hat Schmidt seinen Job im Live Marketing an den Nagel gehängt und widmet sich seinem „Heiderinder“ genannten Betrieb in Varendorf.

Dabei setzt er auf Tierwohl, um Fleisch in bester Qualität zu erzeugen. So umfasst die Herde 40 Mutterkühe, was bedeutet, dass die Tiere ihre Kälber zur Aufzucht behalten und diese nicht zur Mästung weggenommen werden. „Bei uns geht es immer erst ums Tier, dann ums Produkt“, betont Schmidt. „Ein gutes Produkt zu erzeugen, fängt bei der Geburt und vorher schon bei der Auswahl von Mutter und Vater an.“

Digitales Management

Doch wie kommt man von der Welt der Agenturen zur Viehhaltung? „Ich bin dazu gekommen über das Thema Fleischgenuss“, sagt Schmidt. Er sei oft mit der Qualität des gekauften Fleisches nicht zufrieden gewesen und wollte es daher mit eigenem Fleisch probieren. Unterstützt wurden die Brüder auch von Alexander Schmidts Frau Kerstin – einer diplomierten Landwirtin. Die Brüder wiederum können ihre Expertise aus der digitalen Welt in den Betrieb einbringen. So wird das Herden-, Flächen- und Fütterungsmanagement per App organisiert. Diese umfasst eine Datenbank, in der jedes Tier unter anderem mit den aktuellen und allen vergangenen Weidestandorten registriert ist. „Wenn eine Mutter ein Kalb bekommt, dann ist klar, wer der Vater ist“, erklärt Schmidt, der auch zwei Bullen hält. Daneben gibt die App Auskunft darüber, welche Arbeiten an welchen Weidestandorten unternommen wurden oder welcher Herdenteil wann welches Futter bekommen hat.

Patenschaften für Mutterkühe und Schlachtungen auf der Weide

Daneben sind Mutterkuhpatenschaften möglich. Gegen einen finanziellen Beitrag erhalten die Paten jährlich mindestens 20 Kilogramm Fleisch von Schlachttieren. Mutterkühe selbst werden erst an ihrem natürlichen Lebensende geschlachtet. Schmidt betont jedoch: „Wir haben ein Nachhaltigkeitsproblem. Wir haben wirklich ganz wenig Paten hier in der Region.“ Rund 80 Prozent des Fleisches wird an Paten in ganz Deutschland verschickt, Schmidt wünscht sich auch vor Ort einen bewussteren Umgang mit dem Thema Fleisch.

Das Besondere: Die Rinder werden erst geschlachtet, wenn sie mindestens drei Jahre alt sind. Nach Möglichkeit soll die Schlachtung direkt auf der Weide, die ebenfalls nachhaltig bewirtschaftet wird, geschehen. Denn auf diese Weise werden die Tiere nicht von ihren Artgenossen getrennt und geraten aufgrund der Trennung oder ungewohnter Umgebungen – die Rinder verbringen 365 Tage im Jahr auf der Weide – nicht in Stress. Das wirkt sich laut Schmidt positiv auf die Fleischqualität aus.

Noch ist es jedoch nicht möglich, jedes Tier auf der Weide zu erlegen, da die Regularien hierfür enger gezogen wurden, so Schmidt. Deshalb ist der Betrieb Teil eines Förderprojekts für stressfreies Schlachten, um diese Form voranzubringen und Erfahrungen weiterzugeben.

Zurzeit befindet sich der Betrieb „Heiderinder“ noch im Aufbau. Die nachhaltige Arbeit ist mit viel Zeit und Kosten verbunden, als alleinige Einnahmequelle reicht es noch nicht. Trotzdem ist das Tierwohl für Schmidt eine Herzensangelegenheit: „Wenn man auf der Erde Gast ist, dann sollte man sich so verhalten, dass man den Generationen nach uns mindestens das zurücklässt, was man selbst hatte.“

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