Kontroverse um Abriss / Schließung bereits vor 15 Jahren

Tiermehlfabrik in Bargdorf: Ungenutzt oder etwa doch nicht?

Für den außenstehenden Betrachter scheint das Gelände der ehemaligen Tiermehlfabrik in Bargdorf ungenutzt zu sein. Doch laut dem Gewerbeaufsichtsamt nutzt der Eigentümer das Areal weiterhin. Deshalb könne ein Rückbau nicht gefordert werden.
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Für den außenstehenden Betrachter scheint das Gelände der ehemaligen Tiermehlfabrik in Bargdorf ungenutzt zu sein. Doch laut dem Gewerbeaufsichtsamt nutzt der Eigentümer das Areal weiterhin. Deshalb könne ein Rückbau nicht gefordert werden.

Bargdorf – Ein süßlicher Geruch liegt in der Luft über Bargdorf. Unweit der Ortsschilder werden jährlich rund 30 000 Tonnen verendete Nutztiere und Schlachtabfälle zu Tiermehl und Fett verarbeitet.

Wegen der Fabrik bekommt der Bienenbütteler Ortsteil recht schnell den Stempel „da stinkt’s“.

Noch heute hat Bargdorf teilweise damit zu kämpfen, erzählt Ortsvorsteher Christopher Tieding im Gespräch mit der AZ. Und das, obwohl die Tiermehlfabrik – auch bekannt als Tierkadaverbeseitigungsanlage – bereits vor 15 Jahren geschlossen wurde. Seitdem hat es keinen Betrieb mehr gegeben.

Gemeinde will den Abriss erzwingen

Schon seit vielen Jahren versucht die Gemeinde Bienenbüttel, den Eigentümer – die Rendac Rotenburg GmbH – zum Rückbau beziehungsweise Abriss der Anlage zu bringen. Vor fünf Jahren beschloss der Rat der Gemeinde, das Areal per Änderung des Flächennutzungsplans zu einer landwirtschaftlichen Fläche zu machen. Man wollte so den Druck auf den Eigentümer erhöhen.

Was seitdem passiert ist? Rein gar nichts. Die Fläche ist für den Außenbetrachter schlichtweg ungenutzt. „Für uns Bargdorfer ist es gut, zu wissen, dass hier zumindest nichts Gewerbliches mehr stattfinden kann“, erklärt Tieding. „Denn diese Sorge gab es durchaus.“ Dennoch störe es, dass die Anlage noch nicht abgerissen wurde.

Tieding sieht nun das staatliche Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg in der Pflicht. „Ich habe schon die Erwartungshaltung, dass der Rückbau verfügt wird“, betont der Ortsvorsteher. Schließlich sei es der Wille der Bargdorfer gewesen, und sowohl Gemeinde als auch Politik hätten sich klar für den Abriss ausgesprochen. „Rendac ist ein weltweit agierender Konzern. In deren Bilanz sollte ein solcher Abriss eigentlich keinen Ausschlag geben“, meint Tieding und fügt hinzu, dass es deshalb für die Behörde möglich sein müsste, einen Rückbau zu erwirken.

Auf Nachfrage der AZ äußert sich das staatliche Gewerbeaufsichtsamt ausführlich zu dem Fall. Das Gelände werde derzeit von der Firma Rendac Rotenburg GmbH als Lager für eigene Maschinen und Ersatzteile sowie fremde Fahrzeuge genutzt, schreibt eine Mitarbeiterin der Behörde. „Auch Equipment für eine schnelle Bekämpfung von Tierseuchen wird laut der Firma vor Ort bereitgestellt.“

Behörde stellt keine Gefährdungen fest

Das Betriebsgelände sei zuletzt unangemeldet im März dieses Jahres besichtigt worden. „Dabei wurden keine Personen auf dem Betriebsgelände angetroffen. Umweltgefährdungen konnten nicht festgestellt werden“, erklärt die Behördenmitarbeiterin weiter. Die Nutzung des Geländes durch die Firma Rendac sei trotz erloschener Genehmigung für die Tierkörperbeseitigung möglich, da die für den Gebäudebestand erteilte Baugenehmigung zunächst weiter bestehe. „Daher kann ein Rückbau des Gebäudebestandes nicht ohne Weiteres gefordert werden“, betont sie. Man stehe hinsichtlich einer Nachnutzung in Kontakt mit der Firma.

Die Rendac Rotenburg GmbH ist Teil der in Texas sitzenden Darling Ingredients Inc. Eine AZ-Anfrage zu den Firmenplänen mit dem Gelände in Bargdorf bei der dortigen Kommunikationsabteilung blieb bis zum gestrigen Redaktionsschluss unbeantwortet. VON FLORIAN BEYE

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