Die AZ war zu Besuch bei Tierphysiotherapeutin Kerstin Eichholz in Bargdorf

Tierisch verspannt

Mit einem kleinen Lasergerät löst die Tierphysiotherapeutin Verspannungen in Isidors Rücken.
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Mit einem kleinen Lasergerät löst die Tierphysiotherapeutin Verspannungen in Isidors Rücken.

Bargdorf – Isidors Hinterbeine sind nach dem vierten Bandscheibenvorfall gelähmt. Er zieht sie beim Laufen nach, belastet extrem die Vorderbeine und Schultern. Das führt zu Verspannungen im Rückenbereich.

Am Donnerstag hat ihn seine Besitzerin in die Praxis von Kerstin Eichholz nach Bargdorf gebracht. Diese ist selbst Hundebesitzerin und seit sechs Jahren als Tierphysiotherapeutin aktiv. Zwei Jahre lang hatte sich die 50-Jährige, die zuvor als Industriekauffrau tätig war, ausbilden lassen. Nun behandelt sie vor allem Hunde und Pferde. Doch auch Katzen und sogar ein Huhn zählten schon zu ihren Patienten.

Mit gezielten, sanften Handgriffen löst Kerstin Eichholz Verspannungen an der Wirbelsäule des kleinen Vierbeiners. Cranio-Sacral-Therapie heißt diese Methode, die deutlich angenehmer sei als eine Massage, wie Eichholz erklärt. Isidor hechelt fröhlich vor sich hin. „Er ist ein munteres Kerlchen, ein angenehmer Patient.“

Ziel: Den aktuellen Zustand erhalten

Bereits seit zwei Jahren ist der Rauhaardackel bei ihr in Behandlung. Dennoch schaut sie sich den Hund jedes Mal aufs Neue komplett an. „Ein Mensch würde sagen: Ich habe Schmerzen an der Schulter und im Knie. Der Hund kann das nicht“, erläutert Eichholz, während sie mit einem kleinen Lasergerät, das Lichtwellen verschiedener Frequenzen abgibt, weitere Verspannungen löst.

Auf dem Trampolin verlagert Kerstin Eichholz ihr Gewicht von links nach rechts. Nero muss die Balance halten.

„Ich kann seine Lähmung nicht rückgängig machen, aber dafür sorgen, dass er seinen aktuellen Zustand länger halten kann“, sagt Kerstin Eichholz. Es gebe Menschen, die der Meinung sind, dass ein schwer krankes Tier nicht glücklich sein könne. Aber: „Ein Tier hinterfragt nicht, warum es auf einmal nicht mehr richtig laufen kann, sondern nimmt die Situation an.“ Nach einer kurzen Streicheleinheit steht für Isidor die nächste Übung an: Mit beiden Vorderpfoten steht er – von Eichholz gestützt – auf einem Ballkissen und muss die Balance halten. „Er muss aus der Rückenmuskulatur ausgleichen, das stärkt das ganze Skelett“, sagt die Bargdorferin. Isidors Behandlung ist damit beendet.

Dauer der Behandlung variiert von Tier zu Tier

Der nächste Patient ist Nero – ein zehn Jahre alter Schäferhund, der positiv auf degenerative Myelopathie getestet wurde. Dabei handelt es sich um ein langsam fortschreitendes Absterben der Rückenmarksbahnen, das zu Bewegungsstörungen führt.

Aufgeregt läuft Nero durch das Behandlungszimmer, beschnuppert jede Ecke. „Viele fragen mich, wie lange eine Behandlung dauert, aber das ist schwer zu sagen“, betont Eichholz. „Das Tier soll sich entspannen. Wenn ich Nero jetzt nicht die Zeit gebe, die er braucht, bringt es nichts.“

Nero hat sich nun auf eine Matte gelegt. Während Eichholz durch leichtes Drücken Verspannungen entlang der Wirbelsäule löst, streichelt Besitzerin Katrin Steigmann ihren Hund beruhigend am Hals. Sie sehe bei ihrem Vierbeiner definitiv eine Verbesserung durch die Physiotherapie, erzählt sie.

Gerade im hinteren Rückenbereich hat Nero offensichtlich Schmerzen, seine Nerven zucken mehrfach zusammen. Plötzlich springt er auf und läuft zum Trampolin. „Gut, dann machen wir das zuerst“, reagiert Eichholz gelassen. Sie stellt sich seitlich über den Hund auf das Trampolin und verlagert ihr Gewicht von einer Seite zur anderen. „Nero gleicht das über die gesamte Muskulatur aus.“

Hier werden Neros Gelenke am linken Vorderbein „durchbewegt“. Das soll sie geschmeidiger machen. FotoS: BEYE

Zum Abschluss liegt der Schäferhund wieder auf der Matte, während Kerstin Eichholz die Gelenke an seinen Beinen „durchbewegt“. Etwa zehnmal pro Gelenk. Das soll sie geschmeidiger machen und die umliegenden Muskeln dehnen. Damit hat es auch Nero geschafft. Zuhause wird er erst einmal schlafen, vermuten Steigmann und Eichholz.

VON FLORIAN BEYE

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