Land streicht zugesagte Förderung für sechs Einrichtungen / Schauspieler demonstrieren in Hannover gegen Kürzung

Theater Lüneburg fürchtet um seine Existenz

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112 000 Zuschauer zählte das Theater Lüneburg in der Saison 2017/18. Ohne den vom Land zugesagten Zuschuss könnte es in die Insolvenz rutschen.

stk Lüneburg. Liebe, Leidenschaft, große Ideale: Wer ins Theater geht, ist für ein, zwei Stunden weit weg vom grauen Alltag. Die Theatermacher dagegen verschlägt es allzu oft von den Brettern, die die Welt bedeuten, auf den harten Boden der Realität.

Dabei geht es natürlich ums Geld. Um Geld, das vom Land gestrichen wurde. Das Theater Lüneburg wendet sich jetzt mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit.

„Für uns, das Theater Lüneburg, hieße das, wir würden in Kürze in unserer Existenz bedroht und könnten unserem Auftrag, weiterhin unterhaltsames und anspruchsvolles Theater auf hohem Niveau zu bieten, nicht mehr nachkommen“, sagt Theater-Sprecherin Violaine Kozycki.

Sechs Millionen Euro zusätzlich sollten laut Koalitionsvertrag von SPD und CDU in die kommunalen Theater in Niedersachsen fließen. 800 000 Euro hatte das Lüneburger Haus beantragt. Doch aus dem Haushaltsentwurf 2019 wurde die Summe gestrichen. Geld, auf die ein Theater nicht verzichten könne, betont die Sprecherin.

Theater ist ein Zuschussgeschäft, das gilt auch für den 9,5 Millionen Euro schweren Etat des Lüneburger Theaters. Dabei steht die von Stadt und Landkreis Lüneburg getragene Einrichtung, die in der abgelaufenen Saison 2017/18 immerhin 112 000 Zuschauer zählte, sogar noch gut da. 25 Prozent des Etats spielt sie selbst ein. Pro Karte fließen 62 Euro Steuermittel ins Theater, im Bundesdurchschnitt sind es 125 Euro.

Hauptgrund für die Misere sind laut Sprecherin Kozycki die jährlichen Tariferhöhungen, die das Theater als kommunale Einrichtung zahlen muss. 2017 gab es zwei Prozent oder 75 Euro mehr für die 35 festangestellten Schauspieler, Tänzer, Sänger und Musiker, 2018 waren es noch einmal zwei Prozent. Davon erstatten Stadt, Kreis und Land jedoch nur 80 Prozent.

Dabei hat das Theater bereits vier Jahre in Folge die Preise erhöht, um insgesamt 20 Prozent. 100 000 Euro mehr wurden eingespielt. „Jetzt haben wir noch Rücklagen, aber die werden in den nächsten drei Jahren aufgebraucht sein“, macht Violaine Kozycki deutlich. Dann müsste das Theater im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden.

Zusammen mit den anderen betroffenen Einrichtungen hat das Theater Lüneburg jetzt eine Online-Petition unter dem Titel „Rette dein Theater“ gestartet. Außerdem wollen die Beschäftigten am 24. Oktober vor dem Landtag in Hannover gegen die Kürzung demonstrieren.

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