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„Es brennt an allen Ecken“

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Von: Lars Lohmann

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Landwirt Peter Geffert steht bei seinen Schweinen im Außenstall
Für Muttersauen, die noch nicht geworfen haben, hat Geffert einen Auslauf geschaffen. Ein größerer Umbau ist aufgrund der Lage der Ställe nicht möglich. © Lohmann, Lars

Wenn Schweinezüchter und Mäster Peter Geffert die aktuelle Situation beschreiben soll, redet er nicht lange um den heißen Brei herum. „Momentan brennt es an allen Ecken“, sagt er.

Da sind gestiegene Energiekosten, die vor allem die Ferkelaufzucht immer teurer machen. Gleichzeitig wird zurzeit nicht mehr das Fleisch höherer Haltungsstufen nachgefragt, wie es Geffert produziert. Und dann ist da noch die Unsicherheit, welche Haltungsformen in Zukunft zugelassen sind und wie das im Betrieb umgesetzt werden soll.

„Allein durch die Energiepreise ist die Ferkelaufzucht schon zwei bis vier Euro pro Tier teurer“, erklärt Geffert. Dabei hat er sogar noch das Glück, dass die Ferkelnester, in denen die Sauen mit ihrem Nachwuchs untergebracht sind, in seinem Betrieb mit Holzhackschnitzel beheizt werden. 30 Grad herrschen dort im Stall. Wenn die Ferkel allein stehen, wird die Temperatur langsam auf 20 Grad gesenkt. Hier muss auch Geffert mit Gas heizen. Das Problem sei zurzeit, dass sich die gestiegenen Kosten nicht im Preis für die Ferkel wiederfinden. Der liegt laut Geffert zurzeit bei etwas mehr als 50 Euro, müsste aber bei 80 Euro liegen.

„Die Mäster können die Preise aber nicht zahlen, weil sie selbst gerade unter Druck sind“, sagt Geffert. Ein Grund ist auch hier der Ausbruch des Ukraine-Krieges und die steigenden Energiepreise. „Die Verbraucher müssen sparen und auch Gastronomie und Restaurants müssen es“, sagt Geffert.

So wird dem Bornser, der gerade in Haltungsstufe 2 investiert hat, das Fleisch nicht mehr ohne Weiteres abgenommen und wenn, dann verspätet. Geffert vermarktet sein Fleisch als Regiofleisch bei Rewe. Er hätte sogar noch Glück, Tönnies habe Einigen seiner Berufskollegen bereits die Verträge über das Fleisch der Haltungsstufe 2 gekündigt.

Geffert sieht schwarz für die konventionelle Schweinehaltung auf seinem Hof. „Ich bereite gerade Ausstiegsszenarien vor. Ich brauche noch sechs bis acht Jahre, bis ich in Rente gehe“, sagt der Bornser. Grund ist auch, dass der Landwirt für seine Ställe, die im Ort liegen, keine Genehmigungen für einen Umbau kriegen wird. Dieser wäre nötig, um das Tierwohl weiter zu verbessern. „Den Freilauf, der jetzt bei der Haltung im Gespräch ist, würde mir der Landkreis wegen der Emissionen nicht genehmigen“, sagt Geffert. Und den Kredit für einen neuen Stall außerhalb des Ortes würde er von keiner Bank bekommen. „Die kriegen ja mit, was gerade in der Branche los ist“, meint er.

Seine Tochter, die zurzeit in Kiel Agrarwissenschaften studiert, soll den Viertelhof übernehmen, wahrscheinlich im Nebenerwerb. „Sie wird sich eine Nische suchen müssen“, sagt Geffert. Möglich sei zum Beispiel eine Bio-Tierhaltung oder Anbau von Gemüse mit regionaler Vermarktung. „Es muss aber einen Markt dafür geben“, erklärt der Landwirt. Und das sei in einer ländlichen Region nicht immer einfach. „Da hat man es im Speckgürtel einer Großstadt doch meistens leichter.“

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