Liedermacher begeistert mit Konzert und Lesung auf Gut Bardenhagen

Ein starkes Solo von Konstantin Wecker

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„Meine Gedichte waren immer klüger als ich“: Konstantin Wecker begeisterte das Publikum auf Gut Bardenhagen nicht nur musikalisch, sondern auch mit seiner Lesung.

Bardenhagen. Er ist ein Star – und keiner holt ihn da raus. Aus seinem übervollen Leben, seiner musikalischen und poetischen Klasse. Aus seinen Gedichten und Geschichten, die gleich in mehreren Autobiografien gipfeln.

Aus seinem Bekenntnis zu Spiritualität und zum Stolz auf sein „antifaschistisches“ Elternhaus und seiner Haltung gegen Rechts.

„Ich hatte schon einen Maulbeerbaum in Italien im Verdacht, dass er meine Gedichte schreibt“, sagt Konstantin Wecker. Der Münchener Liedermacher mit einem Wohnsitz in der Toskana, der am 1. Juni 70 Jahre alt wird, kann sich seine Schaffenskraft manchmal selbst nicht erklären.

Auf Gut Bardenhagen gibt er am vergangenen Sonnabend ein wirklich umjubeltes Konzert. Drei Zugaben spielt er, liest Episoden aus seinen Büchern und hat ein Publikum, das den Künstler schätzt, wie er ist. Dankbar nämlich für den großen Applaus und die große Bühne, für die er viel gibt, professionell und doch nahbar. Vor allem aber warm und menschlich beim Musizieren und beim Lesen.

Das erste Mal von zu Hause ausgerissen mit Zwölf, Gefängnisaufenthalte, der prominentere in den neunziger Jahren wegen Drogenbesitzes. Wecker liest, charmiert und bleibt sich treu. Zärtlichkeit statt Gewalt bleibt seine Devise. Und wie ein Skeptiker des herrschaftsfreien Diskurses aus der Zeit um 1968 warnt er mit dem Klassiker „Willy“ aus den siebziger Jahren vor den Rechten, streift den AfD-Parteitag in Köln und hat als erste Zugabe „Den Parolen keine Chance“ im Gepäck. So gibt es auf Gut Bardenhagen keinen Zweifel, wo Wecker steht, der festhält, dass ihm Geld nie so wichtig war: „Lasst uns unsere eigenen Melodien singen und pfeifen auf die Herren der Welt.“

Wecker hat seinen Frieden gemacht mit den 70 Jahren, die er bald wird. Er erinnert an seine Jugend, den die Expressionisten prägten, singt Liebeslieder und spielt am Flügel wie einer, der eben, seit er sechs Jahre alt war, Klavierunterricht bekam.

So ist Weckers Werkschau an diesem Abend künstlerisch wertvoll, mitreißend und ein Stück Selbsterklärung an das Publikum. „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist – und der Himmel ein Opal“, singt Wecker, der sich nicht mehr erklären kann, warum er, „das Sommerkind“, ausgerechnet im Winter erstmals von zu Hause ausriss. „Meine Gedichte waren immer klüger als ich“, sagt er, spielt und trägt sein rotes Hemd zur meist in Rot getauchten Bühne. Ein starkes Solo vor einem weithin begeisterten Publikum.

Von Christian Holzgreve

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