50 Handwerker aus Europa und Fernost bauen mit alten Techniken eine Brücke bei Lüneburg

Die Sprache des Holzes

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Mit einer Klobsäge werden die Stämme zurecht gesägt. „Jede der zwanzig Klobsägen reagiert unterschiedlich auf das Holz“, sagt Claus Amerell (vorne links).

Lüneburg. Rhythmisch schallen die Hammerschläge durch den Wald. Mit konzentrierten Bewegungen werden Unebenheiten einer Pfette für den Dachstuhl mit einem Hobel beseitigt.

Nur in Handarbeit und ohne Unterstützung von Maschinen entsteht zurzeit am Waldgasthof Böhmsholz bei Lüneburg eine Holzbrücke samt Dach, die über den Hasenburger Bach führen soll. 50 Handwerker aus zig verschiedenen Ländern arbeiten dort an der Realisierung des Projekts, das vom Verein „Kesurokai“ ins Leben gerufen wurde und mit Unterstützung der Hansestadt Lüneburg realisiert wurde.

„Der Reiz ist für mich, so nah am Material zu sein. Es ohne motorisiertes Werkzeug zu bearbeiten und am Ende zu sehen, was das Holz mit einem vor hat“, sagt der Sprecher des Brückenbau-Projekts, Claus Amarell. Hier müsse man genau überlegen, wie man sich um einen Ast herumarbeitet, während man mit einer Maschine auch einfach mit Gewalt seinen Willen durchsetzen könne. „Die Hände sehen von der Arbeit brutal aus. Der Körper wird einer ganz anderen Belastung unterzogen, und man findet Muskeln wieder, die man nicht mehr kannte“, sagt der Zimmerer aus Detmold über die nicht mehr alltäglichen Handwerkstechniken und -geräte aus Europa und Fernost.

Der Verein „Kesurokai“ – japanisch für gemeinsam hobeln – hat sich auch zum Ziel gesetzt das alte Handwerk zu erhalten und weiterzugeben. Gleichzeitig tauschen sich die Handwerker aus Japan, Deutschland, England, Schweden und Co. auch über ihre Methoden und Techniken aus. So sind schon scheinbar einfache Gerätschaften wie ein Hobel von Land zu Land unterschiedlich gestaltet. Und der Unterschied zwischen europäischen und japanischen Sägen sei, dass man mit europäischen stoße und mit japanischen ziehe, um zu sägen. „Das internationale Gulasch an Geräten macht eben die Arbeit spannend“, sagt Amarell.

Gebaut wird eine acht Meter lange und zweieinhalb Meter breite Brücke aus Douglasien- und Eichenholz. Das Holz stammt direkt aus Wald neben der Baustelle und ist größtenteils Sturmholz aus dem vergangenen Jahr. Die Konstruktion besteht im Unterbau aus Eichenholz. Und einzelne Träger haben ein Gewicht von rund 400 Kilogramm. Die Dachkonstruktion ist aus Douglasie gefertigt.

Das Holz stellt die Hansestadt Lüneburg, die auch noch 30 000 Euro für die Unterbringung der Handwerker beisteuert. „So eine Brücke mit Dach hätten wir ansonsten nie durch den Haushalt gekriegt“, sagt Uta Hesebeck, Leiterin des Fachbereichs Ingenieurbau der Hansestadt.

Richtfest ist am Freitag, 21. Juli, um 13 Uhr. Morgen ist aber zunächst auf der Baustelle Tag der offenen Tür. Interessierte können dann von 9 bis 17.30 Uhr den Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Das sei eine einmalige Gelegenheit, Amarell sagt: „Hier sind alle Herzbluthandwerker, geballt wie in einem Gehege im Zoo.“

Von Lars Lohmann

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