„Meine Pflicht als Mensch“

Die AZ sprach mit den Jugendlichen, die bei sexueller Belästigung in Bienenbüttel eingriffen

Hier an der Kreuzung Ebstorfer Straße – Mühlenweg kam es zu der sexuellen Belästigung, bei der diese drei Jugendlichen eingriffen und den Täter vertreiben konnten.
+
Hier an der Kreuzung Ebstorfer Straße – Mühlenweg kam es zu der sexuellen Belästigung, bei der diese drei Jugendlichen eingriffen und den Täter vertreiben konnten. 

Bienenbüttel – Zu einem Fall von sexueller Belästigung ist es am Montagabend im Bereich der Ebstorfer Straße gekommen. Wie die Polizei berichtet, belästigte ein 24-Jähriger eine Fahrradfahrerin und fasste ihr unter anderem an die Brust.

Jugendliche griffen ein und vertrieben den polizeibekannten Täter. Die AZ hat sich mit den drei Helfern im Alter von 17, 18 und 19 Jahren getroffen. Die Namen bleiben ungenannt, um die Ermittlungen in keiner Weise zu behindern.

Nur durch Zufall am Tatort

„Wir sind eigentlich nur durch die Gegend gefahren“, erzählt der 19-Jährige. An der Bushaltestelle der Grundschule drehen sie mit dem Auto um. Den späteren Täter haben sie vorher schon gesehen. „Er hat uns angepöbelt, als wir an ihm vorbeigefahren sind“, berichtet einer der drei Jugendlichen. Als der Mann die Straßenseite wechselt und auf eine Radfahrerin zugeht, beschließen sie, langsamer zu fahren und die Szene zu beobachten. „In dem Moment, wo es dann körperlicher wurde, sind wir direkt ausgestiegen“, sagt der 18-Jährige. Seine beiden Kumpels nicken zustimmend.

„,Lass’ die Alte in Ruhe’, habe ich gebrüllt“, erinnert sich der 19-Jährige. Die Wortwahl sei nicht die Beste gewesen, gibt er zu. Doch in dem Moment habe er einfach nicht darüber nachgedacht. „Die verängstigte Radfahrerin haben wir dazu aufgefordert, weiterzufahren“, erklärt der 17-Jährige, wegen dem die drei Jungs überhaupt nur dort gewesen sind. Er kommt aus Tespe, und seine beiden Freunde wollten ihm an diesem Abend die Orte zeigen, an denen sie früher ihre Freizeit verbracht haben.

Bei der Polizei melden sich die drei Jugendlichen erst, nachdem sie die Polizeimeldung bei Facebook gesehen haben. Ob es geholfen hat, dass sie zu dritt waren? „Ganz klar, ja“, sind sich die Drei einig. Es habe den Mann schon eingeschüchtert. Ob sie in einem ähnlichen Fall wieder eingreifen würden? „Auf jeden Fall“, antworten sie bestimmt. Zivilcourage sei selbstverständlich für sie.

„Wenn ich selbst in einer solchen Situation bin, möchte ich ja auch, dass mir geholfen wird“, erklärt der 17-Jährige. Sein zwei Jahre älterer Kumpel fügt hinzu: „Wenn jemand in Gefahr ist, ist es doch meine Pflicht als Mensch, ihm oder ihr zu helfen.“ Überrascht sind die Drei von dem Feedback auf Facebook. „Viele Menschen haben ihre Dankbarkeit ausgedrückt. Von, ich glaube, fünf Leuten wurden wir zum Essen eingeladen“, berichtet einer der Jugendlichen.

Zum aktuellen Stand der Ermittlungen in dem geschilderten Fall kann Polizei-Pressesprecherin Antje Freudenberg auf Nachfrage der AZ gestern noch nichts Konkretes sagen. Sowohl Opfer und Zeugen als auch der Beschuldigte werden angehört. Anschließend werden weitere Schritte eingeleitet. Die beschuldigte Person im Fall in Bienenbüttel sei „leider schon häufiger“ auffällig geworden, erklärt Freudenberg.

Mit Blick auf die Zahl der sexuellen Übergriffe in der Region berichtet Antje Freudenberg, dass es sich dabei „zum Glück nur um vereinzelte Fälle handelt“. Das solle natürlich keinesfalls die Tatsache schmälern, dass „ein solcher Vorfall für die Betroffenen äußerst unangenehm und widerlich ist“.

Der Einsatz der Jugendlichen sei durchaus hoch anzurechnen, sagt Freudenberg. Aber: „Bei Zivilcourage geht es nicht ums Heldentum.“ Auch wer etwas sieht oder beobachtet und zum Hörer greift, um Polizei oder Rettungsdienst anzurufen, zeige Zivilcourage, betont die Polizeisprecherin. Denn es nütze niemandem, wenn der Helfer sich ebenfalls einer großen Gefahr aussetzt und am Ende womöglich auch verletzt wird. VON FLORIAN BEYE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare