Die 23-jährige Lisa Harms engagiert sich im Besuchsdienst des Bienenbütteler DRK-Ortsvereins

„Sie ist wie eine Oma für mich“

Verstehen sich trotz der 74 Jahre, die zwischen ihnen liegen, blendend: Mindestens einmal pro Woche besucht die 23-jährige Lisa Harms die 97-jährige Hanne Schoop im Seniorenheim. Dass sie entfernt verwandt sind, haben die beiden erst durch die Treffen im Rahmen des DRK-Besuchsdienstes herausgefunden. Foto: Beye
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Verstehen sich trotz der 74 Jahre, die zwischen ihnen liegen, blendend: Mindestens einmal pro Woche besucht die 23-jährige Lisa Harms die 97-jährige Hanne Schoop im Seniorenheim. Dass sie entfernt verwandt sind, haben die beiden erst durch die Treffen im Rahmen des DRK-Besuchsdienstes herausgefunden. 

Hohenbostel. Hanne Schoop strahlt bis über beide Ohren. Die 97-Jährige sitzt an diesem Montagmorgen im Speisesaal des Seniorenheims Haus Ilmenaublick in Hohenbostel neben Lisa Harms.

„Es ist immer so schön, wenn sie da ist“, schwärmt die Seniorin, während sie die Hand der jungen Frau hält.

Lisa Harms ist 23 Jahre alt, wohnt in Wichmannsburg, studiert Jura in Hamburg – und engagiert sich als Jüngste im Besuchsdienst des Bienenbütteler DRK-Ortsvereins. Vor rund zweieinhalb Jahren sei sie bei einer anderen Frau vom Besuchsdienst mitgegangen, „weil ich etwas Gutes tun und mich ehrenamtlich engagieren wollte“, erzählt Harms. Bei diesem ersten Besuch lernte sie Hanne Schoop kennen. Seitdem geht die junge Frau „mindestens einmal pro Woche“ ins Seniorenheim.

Zu erzählen haben sich die beiden viel – trotz 74 Jahre Altersunterschied. An diesem Morgen erzählt Lisa Harms von ihrem Dänemark-Urlaub. „Da hattet ihr eine schöne Zeit, oder?“, fragt Hanne Schoop. Beide lachen viel zusammen, haben sichtlich Spaß. Dass sie sich so gut verstehen und sich immer etwas erzählen können, liegt wohl auch an einer Besonderheit, die es sonst beim DRK-Besuchsdienst wohl eher selten gibt: „Wir haben festgestellt, dass wir verwandt sind“, erzählt Lisa Harms. Ihr Opa war ein Cousin von Hanne Schoop, beide wohnten früher in Hohnstorf. „Meine Großeltern sind früh verstorben, Hanne kann mir viele Geschichten von ihnen erzählen“, berichtet Lisa Harms, „sie ist wie eine Oma für mich.“

Und so genießt nicht nur die Seniorin die Zeit mit ihrer jungen Besucherin. Die gemeinsame Zeit gestalten die beiden Frauen durchaus vielfältig: „Wir quatschen, spielen Spiele, gehen mal Eis essen oder Hanne besucht uns zu Hause“, erzählt Lisa Harms, deren Eltern auch regelmäßig zu Besuch im Seniorenheim sind. „Ich freue mich immer sehr, wenn jemand zu mir kommt“, sagt Hanne Schoop. Schließlich lebe sie schon lange alleine. „Wer weiß, wie lange ich noch da bin“, sagt die 97-Jährige mit ernster Miene. „Du machst noch ein paar Jahre“, entgegnet Lisa Harms, „schließlich haben wir schon Pläne für deinen 100. Geburtstag.“ Eine Feier soll es dann geben auf der die beiden zusammen einen Walzer aufs Parkett legen wollen. Ob sie denn Walzer tanzen könne, fragt Hanne Schoop ihre Besucherin. Als diese verneint, erzählt Hanne Schoop von früher: „Bei Moritz auf dem Saal bin ich mit meinem Bruder von einer Seite zur anderen gefegt. Der Walzer war unser Tanz.“

Mit diesen Erinnerungen lässt Lisa Harms die Seniorin an diesem Vormittag allein: „Ich komme bald wieder vorbei“, verspricht sie. Wieder strahlt Hanne Schoop bis über beide Ohren.

Von Florian Beye

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