Strafbefehl gegen Lüneburger Müllwagenfahrer wegen fahrlässiger Tötung

Seniorin zweimal überrollt

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Im Oktober wurde eine alte Frau in der Lüneburger Fußgängerzone zweimal von einem Müllfahrzeug überrollt.

stk Lüneburg. Alltag in der Lüneburger Altstadt. Ein Müllwagen fährt in die Obere Schrangenstraße ein. Es ist ein Dienstag im Oktober. Die Arbeit in der belebten Fußgängerzone unweit der beliebten Schröderstraße ist immer eine Herausforderung für den Fahrer.

Dann geschieht das Unfassbare. Eine alte Frau gerät beim Rangieren unter das Müllfahrzeug (AZ berichtete). Die 87-Jährige wird schwer verletzt. Im Lüneburger Klinikum erliegt sie ihren Verletzungen. Der tödliche Unfall hat nun ein juristisches Nachspiel.

Bereits im April hat das Amtsgericht Lüneburg einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung gegen den Fahrer erlassen, teilt Gerichtssprecher Bernd Gütschow auf AZ-Nachfrage mit. „Ihm wurde zur Last gelegt, dass er am 25. Oktober 2016 gegen 11 Uhr aus Unachtsamkeit mit seinem Müllwagen die Geschädigte mit dem rechten Vorderrad überrollt hat. Er habe dies nicht gemerkt und sei mit dem rechten vorderen Reifen noch mal über die Geschädigte gerollt“, berichtet der Gerichtssprecher in nüchternen Worten.

Die Richterin erließ eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen, was einer Summe von 3600 Euro entspricht. Damit entsprach sie laut Gütschow dem Antrag der Staatsanwaltschaft Lüneburg. Grundlage war ein Sachverständigengutachten, das die Umstände des Unfalls in der Lüneburger Fußgängerzone beleuchtete.

Der Fahrer des Müllwagens hat gegen den Strafbefehl Widerspruch eingelegt. Eine Begründung ist dafür zunächst nicht notwendig. „Damit wird das Verfahren ganz neu aufgerollt“, betont Gütschow. Der Strafbefehl ist eine Art Schnellverfahren, in dem das Gericht ohne Verhandlung nach Aktenlage entscheidet. Aufgrund des Widerspruchs kommt es jetzt zu einem förmlichen Prozess. Er ist noch nicht terminiert.

Die Hansestadt Lüneburg und die kommunale Gesellschaft für Abfallwirtschaft (GfA), die für die Müllabfuhr zuständig ist, äußern sich wegen des laufenden Verfahrens nicht zu dem Vorfall und möglichen Konsequenzen.

Laut Gemeindeunfallverband ist das Rückwärtsfahren von Müllfahrzeugen grundsätzlich verboten. Das Zurücksetzen, um ein Hindernis zu umfahren oder große Behälter aufzunehmen, ist zulässig. Die Stadt hatte nach dem Unfall lediglich mitgeteilt, dass Rangiervorgänge immer von anderen Mitarbeitern der GfA abgesichert werden.

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