Bienenbütteler Jagdschule nimmt Landkreis in Pflicht

Schwierige Lage für die Jäger

Guido Kiesewetter (links) von der Bienenbütteler Jagdschule beim Schießtraining mit einem angehenden Jäger.
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Guido Kiesewetter (links) beim Schießtraining mit einem angehenden Jäger.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Bienenbüttel – Die Corona-Krise trifft auch die Jägerschaft mit voller Härte. „Es ist eine einzige Katastrophe“, sagt etwa Guido Kiesewetter von der Jagdschule Lüneburger Heide in Bienenbüttel. An der Schule werden angehende Jäger theoretisch wie praktisch auf die Prüfung für den Jagdschein vorbereitet.

„Eine Ausbildung ist zwar möglich, aber nicht in der Form, wie man es eigentlich kennt“, sagt Kiesewetter. „Momentan besteht nur die Möglichkeit, das außerschulisch zu machen.“ Kurse finden daher in digitaler Form statt. Noch melden sich genügend angehende Jäger für die Kurse – einen Mangel an Jägern werde es daher nicht geben, ist sich Kiesewetter sicher. „Die Schwierigkeit besteht eher darin, das Geschulte auch im Kopf zu behalten.“

Eingeschränkter Trainingsbetrieb

Doch nicht nur der theoretische, auch der praktische Trainingsbetrieb ist durch das Coronavirus eingeschränkt. „Die Jäger können zurzeit auf dem Schießstand überhaupt nicht üben“, beklagt Kiesewetter. Dabei sei nach dem Tierschutzgesetz ein rasches Verenden des Tieres gefordert. „Wenn man nicht üben kann, wird das nicht besser“, weiß Kiesewetter – zumal nach dem geplanten neuen Jagdgesetz die Prüfung verschärft werden solle. Beim Schuss auf den laufenden Keiler müssen demnach die Organe getroffen werden, damit das Tier nicht lange leidet.

Eine weitere neue Regelung wäre, dass vor dem Ablegen der Jagdprüfung 130 Pflichtstunden in den Kursen abgeleistet werden müssen. Dies sei unter den derzeitigen Bedingungen aber nicht möglich, bemängelt Kiesewetter. Darüber hinaus sei im Landkreis Uelzen der nächste Prüfungstermin schon wieder abgesagt worden. „Das geht so nicht weiter“, kritisiert Kiesewetter.

Landkreis hat Nachholbedarf

Dabei sieht Kiesewetter durchaus Nachholbedarf: „Uelzen ist sowieso ein bisschen rückständig.“ Landkreis-Sprecher Martin Theine bestätigt auf AZ-Anfrage, dass es pro Jahr fünf Jagdprüfungen gebe – eine für die Jägerschaft Uelzen und vier für die Jagdschulen.

Für Guido Kiesewetter ist das zu wenig, da zum Beispiel im Landkreis Lüchow-Dannenberg monatlich eine Prüfung angeboten werde. „Wir stehen nicht so gut da. Es müsste eigentlich mehr passieren“, bemängelt Kiesewetter. „Ich sehe den Landkreis in der Bringschuld.“ Er ahne, dass sich durch den coronabedingten Ausfall die Prüfungstermine zusätzlichen stauen würden. Laut Theine ist eine Aufstockung der Jagdprüfung jedoch nicht geplant.

Kiesewetter betont aber, dass auch in Corona-Zeiten die Jagd wichtig sei. So musste bereits der Bestand an Schwarzwild aufgrund der Afrikanischen Schweinepest reduziert werden. Hier habe die Drückjagd mit Anmeldung, Abstand und weniger Jägern stattgefunden, schildert Kiesewetter. „Das ist sehr vorbildlich abgelaufen.“

Dabei habe auch die reduzierte Zahl der teilnehmenden Jäger an Drückjagden Auswirkungen. Denn dies führe zu weniger Abschüssen, was wiederum mehr Verbiss an jungen Pflanzen durch Wild zur Folge habe. Dies erschwere die Aufforstung der Wälder.

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