Info-Abend zum Landschaftsschutz / Vorwürfe an den Landkreis

Bienenbüttel: Schutz des Ilmenautals erhitzt die Gemüter

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Das Interesse am Info-Abend des Landkreises zum Naturschutzgebiet Ilmenautal war in Bienenbüttel groß. Gut 100 Betroffene kamen ins Rathaus, wo nicht ausreichend Platz war und Stühle nachgestellt wurden. Einige mussten trotzdem stehen.

Bienenbüttel – „Man muss auch den Menschen berücksichtigen“, sprach Thomas Schulz aus, was die meisten der gut 100 Bienenbütteler am Mittwochabend im Rathaus dachten.

Den Vertretern des Landkreises – Umweltamtsleiter Alexander Krüger und Dorothea Epperlein von der Unteren Naturschutzbehörde – wehte im übervollen Saal beim Info-Abend zur Unterschutzstellung des Ilmenautals ein eisiger Wind entgegen.

45 Minuten lang erklärte Epperlein, warum das Landschaftsschutzgebiet überarbeitet werden muss, welche Regeln wo gelten und dass es um den Schutz von Ilmenau, Stederau und Gerdau geht, um die Erlen- und Auwälder, Buchen und Mähwiesen, den Laubfrosch und den Kammmolch, Bachmuscheln, Fischotter und Meerforelle sowie die Insekten. Die Vertreterin der Naturschutzbehörde betonte, dass eine „standortangepasste Bewirtschaftung“ erforderlich sei und dass Flora und Fauna durch keine Einflüsse negativ beeinflusst werden dürften. „Die Verbote klingen rigoros, aber in der Verordnung steht auch, was man darf beziehungsweise wer es darf.“ Die Ilmenau und ihre Uferzonen dürften „betreten“ werden, sagte Epperlein. Dünger und Pestizide seien in einer Fünf-Meter-Zone verboten. Boote könnten von 7 bis 20 Uhr auf der Ilmenau fahren, ein Verbot gelte für Himmelfahrt.

Epperlein unterschied zwischen Landschaftsschutzgebiet und Kernzone, in letzterer ist beispielsweise eine Bebauung verboten. „Was da ist, darf aber bleiben“, verwies sie auf den Bestandsschutz. Bei der Jagd gelten Einschränkungen für das Aufstellen von Fallen, beim Angeln spezielle Regelungen zum Umgang mit Reusen.

Epperleins Aussage, dass bei angrenzenden Ackerflächen ein Puffer von 2,50 Metern zu lassen ist, brachte die Landwirte im Saal auf den Plan: „Wenn wir da nicht bewirtschaften dürfen, gibt es dafür eine Entschädigung?“, fragte der Hohenbosteler Dirk Remien. Er fragt sich auch, wie er seine Kühe davon abhalten soll, den Schutzstreifen zu betreten. „Dann muss ich Zäune aufstellen und das kostet Tausende Euro, wer bezahlt mir das?“ Befriedigende Antworten bekam er nicht. „Wir müssen gucken, ob Nachregelungen nötig sind“, beschwichtigte Krüger. Außerdem könnten die Bauern in diesem Stadium noch keine Antworten erwarten. „Wir sind da noch im Austausch und auf dem Weg.“ Die Landwirte verwiesen auf die Kreise Harburg und Lüneburg, wo schon in diesem Stadium der Planung an Fördermittel beziehungsweise Entschädigungen gedacht worden sei. „Warum geht das im Landkreis Uelzen nicht?“ Dorothea Epperlein sagte mehrfach, dass die Betroffenen die Verordnung dahingehend interpretieren mögen, dass erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten wird.

Jahrzehntelang habe man Naturschutz betrieben, und jetzt müsse man Anträge stellen, wenn man einen Baum zurückschneiden will, echauffierte sich ein weiterer Redner. Er fühle sich entmündigt.

Die Bürger gingen an diesem Abend eher aufgebracht und unzufrieden nach Hause. Sie kritisierten auch, dass der Informationsabend nur auf Druck stattgefunden habe und man dem Landkreis daher nicht abnehme, mit den Betroffenen im Ilmenautal wirklich den Dialog suchen zu wollen.

VON ULRIKE MEINEKE

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