Katze wird noch einmal operiert

Elf Schrotkugeln steckten in „Sunny“: Ehepaar Zymmek aus Bargdorf erstattet Anzeige

+
Manuela Zymmek mit „Sunny“. In dem Kater steckten elf Schrotkugeln. Fünf konnten entfernt werden.

Bargdorf – „Das kann nur ein Katzenhasser getan haben“, sind Manuela und Werner Zymmek aus dem Bienenbütteler Ortsteil Bargdorf überzeugt. Sechs Tage lang war Kater „Sunny“ weg, bis er völlig abgemagert und schwer verletzt wieder auftauchte.

Elf Schrotkugeln steckten in der viereinhalb Jahre alten Katze, die die Zymmeks vor zwei Jahren vor dem sicheren Tod auf Istanbuls Straßen gerettet hatten. „Sunny“ ist nur eines der aus der Türkei und aus Rumänien stammenden Tiere, die in der Waldsiedlung bei Bargdorf ein neues Zuhause gefunden haben.

„Sunny“ geht es inzwischen besser. Fünf Schrotkugeln konnten ihm in einer Lüneburger Tierklinik entfernt werden. Sechs stecken noch in den Gelenken und in der Lunge, wie Röntgenbilder offenbarten. Die Zymmeks glauben, dass das nur ein Jäger getan haben kann. „Seit 25 Jahren laufen bei uns Katzen draußen herum, nie ist etwas passiert“, sagt Werner Zymmek.

Der 70-Jährige und seine Frau wissen, dass Jäger wildernde Katzen schießen dürfen, wenn sich diese 300 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt befinden. Dass Zymmeks mit ihren Tieren im Wald wohnen, „weiß hier jeder“. Auf eine Katze schießen und sie schwer verletzt zurücklassen – „wie muss das Tier gelitten haben. Ich mag mir das gar nicht vorstellen“, sagt Manuela Zymmek.

Die 53-Jährige und ihr Mann haben Anzeige in der Polizeidienststelle Bienenbüttel erstattet. Nun sollen die Besitzer von Schusswaffen im Bereich Jelmstorf, Bruchtorf, Wichmannsburg und Bargdorf auf Besitz einer Schrotwaffe überprüft werden. Die Tat muss am 2.  Oktober, einem Mittwoch, passiert sein, denn danach war Kater „Sunny“ sechs Tage weg, „was er sonst niemals macht“. Hinweise dazu nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

„Ron“, ein ehemaliger rumänischer Straßenhund, kam gemeinsam mit „Sunny“ nach Bargdorf. Er hat Epilepsie.

„Sunny“ kam vor zwei Jahren gemeinsam mit „Ron“ nach Bargdorf. Auch der Schäferhund-Mischling lebte auf den Straßen der türkischen Hauptstadt. Nachdem Präsident Erdogan angekündigt hatte, alle freilebenden Katzen und Hunde aus den Städten schaffen zu lassen, waren Tierschützer mobil geworden. Eine von ihnen postete einen Aufruf auf Facebook, auf den Manuela Zymmek aufmerksam geworden war. „Ron passte zu unseren rumänischen Straßenhunden“, erklärt sie, wie der Hund zusammen mit „Sunny“ per Flugzeug nach Deutschland kam. Ron leidet an Epilepsie, braucht viele Medikamente.

Was „Sunny“ betrifft, so haben die Zymmeks Angst, dass er eine Bleivergiftung bekommt. Sie wollen mit dem Kater zu einem Spezialisten, um wenigstens noch die Kugeln aus den Gelenken entfernen zu lassen.

Ein ganz anderes Schicksal hat Katze „Shira“. Sie liegt im Wintergarten in einem Korb und genießt die Streicheleinheiten von Frauchen. „Shira“ stammt, wie weitere Katzen im Hause Zymmek, aus dem Göttinger Katzenhaus „Luttertal“, das eng mit dem Bund gegen Missbrauch von Tieren (BMT) zusammenarbeitet. Dorther haben die Zymmeks einen weiteren Hund, der zuvor auf Rumäniens Straßen lebte. Tierschützer hatten ihn vor der Tötungsstation gerettet.

Neben zwölf Katzen und fünf Hunden päppelt das Ehepaar derzeit auch zwei Hasen und 14 Igel-Babys auf. Platz ist auf dem Grundstück reichlich. Der große Garten mit Teich ist ein reich gedeckter Tisch auch für die Eichhörnchen, Insekten und viele andere Tiere.

Die „Pflegekinder“ zu versorgen, auch tierärztlich, ist teuer. „Wir finanzieren das alles von unserer Rente“, sagt das Paar. „Wir selbst brauchen nicht viel. Was andere in den Urlaub stecken, stecken wir in die Tiere.“

VON ULRIKE MEINEKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare