Ende eines Wahrzeichens

Schornstein der Molkerei in Bienenbüttel abgerissen

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In luftiger Höhe rücken Arbeiter den Ziegeln mit dem Hammer zu Leibe. 

Bienenbüttel – Generationen von Bienenbüttelern sind mit dem Anblick des Molkerei- Schornsteins an der Lindenstraße aufgewachsen. Doch jetzt ist der Schlot abgerissen worden.

Der Grund: Der Zahn der Zeit hat an dem Turm genagt, und die Standsicherheit des Baus war nicht mehr gewährleistet. Stein für Stein haben die Bauarbeiter den Schornstein abgetragen. Mit Schlagbohrer und Hammer rückten sie dem Ziegel-Mauerwerk zu Leibe.

Früher: Das Hauptgebäude der Molkerei mit dem Schornstein im Hintergrund. 

„Der Schornstein ist ein Wahrzeichen des Ortes“, sagt Wolfgang Koschel vom Arbeitskreis Geschichte Bienenbüttel. 1906 begann die Geschichte der Bienenbütteler Molkerei, zunächst als Rahmstation der Bevenser Molkerei am Krummen Arm. Dort wurde die Milch pasteurisiert und entrahmt.

Anschließend wurde der Rahm nach Bevensen mit der Bahn transportiert und dort verbuttert. Die Butter wurde danach wieder zurück nach Bienenbüttel transportiert. Die entstandene Magermilch wurde gekühlt und an die Genossen der Molkerei zurückgegeben.

Die Initiative zum Bau ging von dem damaligen Leiter der Bevenser Molkerei, Walter Kleindienst, aus. Dieser tat sich mit den Landwirten Louis Hahn aus Eitzen I, Friedrich Sander aus Wulfstorf und Heinrich Hoyer aus Edendorf zusammen.

So sah die Produktion in der Molkerei aus, als sie noch mit Dampfkraft angetrieben wurde. 

1933 wurde dann die „Molkerei Bienenbüttel e.GmbH“ gegründet. Bekanntestes Produkt sei der „Heidebub“, ein Camembert-Käse, gewesen, so Koschel. Einer der größten Abnehmer war das Militär. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg habe man weiter nach Munster Käse geliefert. Aber auch Hamburg entwickelte sich zu einem wichtigen Markt für den Käse aus Bienenbüttel, sodass gegen 1950 die Käserei erweitert wurde.

Der Schornstein selbst ist ein Überbleibsel der Dampfmaschine, die bis in die fünfziger Jahre die Technik in der Molkerei am Laufen hielt, berichtet Koschel. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges musste aus Kohlemangel auch schon mal die Produktion eingestellt werden. „14 Angestellte arbeiteten in der Molkerei“, berichtet Koschel.

Doch die Konkurrenz durch große Molkereien in Uelzen und Lüneburg wurden laut Koschel in den sechziger Jahren immer größer. „Die kleineren Molkereien konnten damit nicht mehr konkurrieren“, sagt Koschel. Bis 1963 wurde der Heidebub noch in Bienenbüttel hergestellt. 1968 wurde die Molkerei aufgelöst, und die Bienenbütteler Landwirte lieferten ihre Milch nach Lüneburg.

VON LARS LOHMANN

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