Marderhunde: Im Landkreis Uelzen werden die meisten Exemplare des Eindringlings geschossen

Die Schokolade war sein Verhängnis

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Bei Jägern nicht beliebt: Der Marderhund raubt die Nester von Vögeln aus, die am Boden brüten. Insgesamt 408 Exemplare wurden im Landkreis Uelzen zur Strecke gebracht.

Bornsen. Spaziergänger bekommen den drolligen Kerl selten zu Gesicht, aber er macht sich unaufhaltsam breit. Der Marderhund ist inzwischen in ganz Niedersachsen heimisch. Dass der Bestand weiter wächst, belegt der Landesjagdbericht, wonach so viele Marderhunde geschossen wurden wie noch nie (AZ berichtete).

Die meisten Exemplare, 408 Stück, haben Jäger im Landkreis Uelzen erlegt. Die Zahlen zeigen auch, dass sich der Marderhund in Nordostniedersachsen besonders wohl fühlt.

Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge geht davon aus, dass in diesem Jahr noch mehr Marderhunde erlegt werden – denn der Allesfresser kann heimischen Tieren zusetzen. „Die Marderhunde nehmen jedes Vogelnest aus, das am Boden ist“, erklärt Hellbrügge. Vogelarten vom Kiebitz bis zur Lerche seien gefährdet. „Und sie haben eine hohe Vermehrungsrate“, so Hellbrügge. „Ein Weibchen bringt zwölf bis 14 Junge zur Welt, die früh selbstständig werden.“

Die Vermehrungsrate und die Anpassungsfähigkeit sind das Erfolgsrezept des Marderhundes. Er kann Strecken bis zu 400 Kilometern zurücklegen. Da er ein guter Schwimmer ist, sind auch Flüsse kein Hindernis. Die Jäger sehen sich als Umweltschützer, weil sie neue Lebewesen, wissenschaftlich Neozoen genannt, dezimieren, um heimische Tierarten zu schützen. „Die Jäger wollen ein breites Spektrum wildlebender Arten erhalten“, sagt Hellbrügge.

Allerdings ist die Jagd auf den nachtaktiven Marderhund nicht so leicht, weil er für die Jagd vom Ansitz zu klein ist. Etwa die Hälfte der abgeschossenen Exemplare wurden laut Hellbrügge in Fallen zur Strecke gebracht. Als Köder dient Hundetrockenfutter, manchmal auch Schokolade. Die Fallenjagd ist aufwendig. Die Jäger verwenden nur Lebendfallen. Die müssen laut Jagdgesetz täglich kontrolliert werden. Hockt ein Hase in der Röhre, wird er laufen gelassen. Bei der Baujagd treiben Hunde den Marderhund vor die Flinte.

Der bis zu 80 Zentimeter lange und bis zu 8,5 Kilo schwere Allesfresser bevorzugt gewässerreiche Lebensräume mit Laub- und Mischwäldern, feuchte Wiesen mit Gebüschen oder schilfreiche See- und Flussufer. Ursprünglich war Nyctereutes procyonoides, so der wissenschaftliche Name, im östlichen Sibirien, im nördöstlichen China und Japan beheimatet. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde er in der früheren Sowjetunion massenhaft als jagdbares Pelztier ausgesetzt. Seitdem befindet sich der Marderhund auf dem Vormarsch und er ist wohl nicht mehr zu stoppen.

Von Gerhard Sternitzke

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