Lüneburger Aufklärer sind ab 2018 Teil der Nato-Taskforce / Bahnverladung an der Körner-Kaserne

Schnelle Truppe für Osteuropa

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Kommandant Michael Hoppstädter: Nato-Einsatz in Osteuropa statt Blauhelm-Einsatz in Mali.

Lüneburg. Der Einweiser geht voran. Unter dem Maschinengewehr trägt er eine Warnweste in Orange. Millimeterweise rollt ein olivgrüner Militär-Lkw hinter ihm auf den Waggon. Der schwere Dieselmotor zieht an.

Insgesamt 220 Soldaten warten an der Laderampe auf ihre Abreise in Richtung Minden.

Das Gesicht des Fahrers ist hochkonzentriert, bis der Soldat in der Warnweste die Hände in die Höhe hebt. Stopp! Andere legen Keile unter die Räder. Spähpanzer, gepanzerte Transporter und Geländewagen rücken an der Verladerampe der Theordor-Körner-Kaserne auf. Soldaten in voller Montur und Bewaffnung und mit Tarnbemalung im Gesicht warten.

Wenn der Verteidigungsfall eintritt, beginnt er wie gestern mit einer Bahnfahrt. Ab 2018 gehören 380 Soldaten des Aufklärungslehrbataillons 3 Lüneburg zur schnellen Eingreiftruppe an der Nato-Ostgrenze, der „Very High Readiness Joined Task Force“, kurz VJTF. Sie wurde 2015 geschaffen, um zügig auf einen Angriff Russlands im Baltikum, Polen, Rumänien oder Bulgarien reagieren zu können. Die schnelle Verlegung eines Truppenverbands wird jetzt in einer viertägigen Übung trainiert. 190 Männer und 30 Frauen mit 90 Fahrzeugen nehmen an der Aktion teil, bei der sie die Weser bei Minden mithilfe einer Behelfsbrücke aus Amphibienfahrzeugen überqueren.

Für die Soldaten, die im Schnitt seit zehn Jahren im Dienst sind und dabei internationale Einsätze im Kosovo, in Afghanistan und Mali absolvierten, ist der Nato-Einsatz ein Paradigmenwechsel. „Die Gefahr ist abstrakter als in Mali, aber sollte es zu einem Konflikt kommen, ist sie deutlich größer“, sagt Kommandant Michael Hoppstädter. „Ein Schuss eines russischen Panzers auf einen Fennek-Spähwagen bedeutet den Tod der gesamten Besatzung.“

Neben der Schießausbildung haben seine Leute deshalb seit April auch eine intensive Sanitätsschulung erhalten. „Die können auch einen Tubus oder eine Infusion verlegen“, betont der 42-jährige Oberstleutnant. Die Lüneburger Aufklärer hatten bei ihren bisherigen Einsätzen keine Toten zu beklagen, es gab aber Verwundete sowie traumatisierte Soldaten, die nicht wieder in den Dienst zurückkehren konnten.

Gestern verladen Lüneburger Aufklärer in der Theodor-Körner-Kaserne ihre Fahrzeuge auf zwei Züge der Deutschen Bahn. Die viertägige Übung ist Teil der Vorbereitung für die Nato-Taskforce.

Und noch etwas ist anders: Beim Blauhelm-Einsatz in Mali haben die Lüneburger Aufklärer bewusst Präsenz gezeigt, im Rahmen der schnellen Truppe ist wieder ihre traditionelle Aufgabe gefragt, nah am Gegner Informationen zu gewinnen, ohne selbst gesehen zu werden. Daher die Tarnbemalung in den Gesichtern, so dass es schwerfällt, den Kommandeur von seinen Soldaten zu unterscheiden. Im Einsatz, weiß er zu berichten, kann ein Spähtrupp bis zu fünf Tage lang autonom vorgehen. Mit dabei: ein Radarwagen und das in Mali erprobte Drohnensystem Luna, das eine Reichweite von 80 Kilometern hat.

Drei Jahre lang gehören die Lüneburger Aufklärer der Taskforce an. Im ersten sind sie 50 Tage in Bereitschaft, danach sinkt die Belastung ab – viele Soldaten sind auch Familienväter.

Von Gerhard Sternitzke

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