Ein Schlag im Lenkrad

Prozess gegen Taxifahrer, der Mann überrollt und weiterfährt

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Am Lenkrad seines Taxis spürt Lars G., dass er etwas überrollt hat. Symbolfoto: dpa

Lüneburg/Dannenberg. Eine Sommernacht im Juli 2017. Ein Taxifahrer ist in Dannenberg unterwegs. In der Lüchower Straße gibt es einen Knall. Der Mann spürt einen Schlag im Lenkrad – und fährt einfach weiter.

Nachfolgende Autofahrer finden einen leblosen älteren Herrn auf der Straße liegen. Überall Blut. Seine Augen sind noch geöffnet. Gestern muss sich Taxifahrer Lars G. vor dem Landgericht Lüneburg verantworten.

Mit diesem Beispielfoto fahndete die Polizei nach dem Fahrzeug und damit auch dessen Fahrer.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung, versuchten Mord und Fahrerflucht vor. Der 36-jährige Dannenberger habe den bereits auf der Straße liegenden Mann aus Unachtsamkeit überfahren, ist Staatsanwalt Jochen Kaup überzeugt. „Obwohl er in Erwägung ziehen musste, dass er einen Menschen überfahren hatte, setzte er die Fahrt fort“, betont Kaup. Das Opfer erlitt multiple Verletzungen an Oberkörper und Kopf und verstarb noch an der Unfallstelle.

Taxifahrer G. will davon nichts mitbekommen haben. „Ich habe den Schlag im Lenkrad verspürt, aber ich habe in keiner Weise gedacht, dass ich einen Menschen überfahren hätte“, erklärt der gelernte Tischler, der jetzt arbeitslos ist. „Ich bin an die Kreuzung rangefahren und habe im Rückspiegel geschaut, ob etwas zu sehen war.“ Abgelenkt sei er nicht gewesen. Auf einer späteren Tour kommt er an der Unfallstelle vorbei, wo jetzt das Blaulicht von Polizei und Rettungsdienst zu sehen ist. Laut einer Zeugin zeigt er keine Regung. Er macht seine üblichen Witzchen.

Die gerufenen Polizeibeamten sichern am Unfallort zwei Plastikteilchen, die zu dem von G. gefahrenen Mercedes gehören – und eine Reifenspur im Blut des Opfers.

Richter Franz Kompisch erinnert den Angeklagten daran, dass er bereits ein Jahr zuvor Fahrerflucht begangen hat. Mit einem Dacia des Mietwagenunternehmens rauschte er über eine Verkehrsinsel. Weil er weiterfuhr, war das Fahrzeug ein Totalschaden, schildert seine Chefin vor Gericht. Er kassierte dafür eine Abmahnung.

Von Gerhard Sternitzke

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