Stefan Hallberg inszeniert Theodor Storms Klassiker als Multimedia-Show

„Schimmelreiter“ neu verpackt

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Stefan Hallberg inszenierte im Bienenbütteler Gemeindehaus Theodor Storms Klassiker „Der Schimmelreiter“ als Multimedia-Show. 

Bienenbüttel. Mit der schlichten Lesung eines deutschen Literaturklassikers heutzutage noch jemanden hinter dem Ofen, respektive dem Fernseher hervorlocken zu wollen, mutet ambitioniert an – oder auch aussichtslos.

Doch Ex-Schlagersänger, Musiker und Buchautor Stefan Hallberg hat sich da etwas einfallen lassen: Er inszeniert Theodor Storms wohl bekannteste Novelle um die tragische Geschichte des fiktiven Deichgrafen Hauke Haien als Multimedia-Show aus Musik, Spielfilmsequenzen und Erzählung und belebt damit das mittlerweile erlahmte Interesse an der klassischen Schullektüre neu.

Vor der Aufführung am Sonnabend im gut besuchten Bienenbütteler Gemeindehaus berichtete der heute 70-jährige Hallberg, der 1979 mit dem Fußball-Schlager „Wer wird deutscher Meister? – HSV!“ bundesweit bekannt wurde, etwas über die bewegte Entstehungsgeschichte des Projekts, die bereits 1988, also einhundert Jahre nach der Erstveröffentlichung von Storms Spätwerk, beginnt.

Nach Fertigstellung des Albums „Time Machine“ komponiert, arrangiert, textet und singt Hallberg die 15 Songs umfassende Vertonung des „Schimmelreiters“ und stößt damit auf Interesse des ehemaligen „Godewind“-Produzenten Sigi Wagner, der daraus ein Musical machen möchte und eigens eine Produktions-GmbH gründet. Doch trotz damals prominenter Namen unter den designierten künstlerischen Mitstreitern wie Volker Lechtenbrink für die Regie oder Peter Herbolzheimer für die musikalische Leitung scheitert das Projekt an der Finanzierung: „Wir hatten am Ende gerade mal 850 000 Mark – das war natürlich viel zu wenig für solch ein Vorhaben“, erinnert sich Hallberg, der anschließend für mehrere Jahre nach Buenos Aires geht und den „Schimmelreiter erst mal in den Stall“ stellt.

Erst Anfang dieses Jahrtausends erwacht sein Interesse für Storms Stoff erneut und er beginnt die damals in aufwendiger Tonband-Technik erstellten Aufnahmen mithilfe eines Spezialisten zu digitalisieren. Was sich als äußerst kompliziert herausstellte: „Die Bänder waren durch die jahrelange Lagerung völlig verklebt und mussten mit einer Behandlung in einem Backofen wieder voneinander getrennt werden“, so Hallberg.

Erst vor drei Jahren singt er dann alle Titel neu ein – und genau hier liegt die Kritik an dem insgesamt recht gelungenen Konzept begründet: Einige Texte und der erstaunlich jugendlich klingende Gesang atmen doch reichlich den Charme des 70er-Jahre-Schlagers und werden so der kraftvollen, von Hallberg mit norddeutsch gefärbter, brummiger Reibeisen-Stimme perfekt gelesenen, Prosa Storms mitunter nur bedingt gerecht.

Von Marcus Kieppe

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