Einen Monat vor Eröffnung: Projektleiterin erklärt die Architektur 

Audimax’ der Leuphana – Schiefe Wände regen das Denken an

+
Das neue Audimax nach den Plänen von Stararchitekt Daniel Libeskind sollte man wie ein Kunstwerk betrachten, rät Susanne Leinss, Projektleiterin der Leuphana-Universität.

Lüneburg. „Eines der spektakulärsten Uni-Gebäude in Europa wird eingeweiht“, so steht es in einer Einladung zur Einweihung des neuen Zentralgebäudes der Leuphana-Universität Lüneburg am 11. März, die gestern verschickt wurde.

Spektakulär sind nicht nur die Zahlen – so wurden 14 000 Kubikmeter Beton und 2750 Tonnen Stahl verbaut. Oder 13 000 Quadratmeter für Audimax, Forschungs-, Studierenden- und Seminarzentrum geschaffen. Das aufregendste ist die Architektur, und die wird von den Menschen kontrovers diskutiert.

Schön oder hässlich, das sind allerdings nicht die Kategorien des Star-Architekten Daniel Libeskind, der sich in Deutschland unter anderem mit dem jüdischen Museum in Berlin einen Namen gemacht hat. „Es lohnt sich immer, sich ein Gebäude anzuschauen, wirklich hinzugucken, so genau wie man bei einem Kunstwerk hingucken würde“, rät Susanne Leinss, Projektleiterin der Leuphana für den Neubau, der in den vergangenen Jahren durch Kostensteigerungen Schlagzeilen machte.

Im Audimax gibt es keine rechten Winkel, keine zwei deckungsgleichen Fenster. Die schiffsbugähnliche Spitze über dem Eingang scheint in der Luft zu hängen. Libeskind gilt als wichtiger Vertreter des Dekonstruktivismus in der Architektur. „Sie möchte die Struktur offenlegen, sie aufbrechen und ihre Instabilität sichtbar werden lassen“, heißt es bei Wikipedia.

Susanne Leinss weist auf die „Unvorhersehbarkeit“ des Neubaus hin: „Das Gebäude ist in seiner Erscheinung so angelegt, dass man nicht sicher sein kann, welches Bild sich einem beim Vorübergehen einige Meter weiter zeigt.“ Das belegt auch ein Videorundgang, den die Universität im Internet zeigt – Journalisten und Fotografen durften den Neubau noch nicht betreten. „Das gerade macht das Erleben des Gebäudes komplex, aber diese Komplexität symbolisiert eben auch Vielfältigkeit – und damit einen wesentlichen Aspekt universitären Lebens und Lernens“, so Susanne Leinss.

Der Libeskind-Bau dient als Gegenentwurf zu den stereotypen Kasernengebäuden des Campus. „Es ist ein Meilenstein auf dem Weg, die ehemalige Kaserne in einen weltoffenen Campus umzugestalten“, heißt es auf der Homepage zum Audimax. „Es regt wieder und wieder zum Denken und Betrachten an.“

Nach der offiziellen Einweihung am 11. März laden Universität und Stadt am 20. Mai zu einem Bürgerfest ein.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare