Wie Lüneburg und andere Drehorte von beliebten TV-Serien profitieren

Rote-Rosen-Stadt lockt Urlauber an

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Rote-Rosen-Effekt: Wo Mickey Hardt als Mathis Segert und Cheryl Shepard als Sydney Flickenschild vor der Kamera stehen, wollen Touristen die Originalschauplätze kennenlernen.

Lüneburg. Wo ist denn hier das Hotel „Drei Könige“? Als Hintergrund der Telenovela „Rote Rosen“ flimmert Lüneburg Tag für Tag über die Bildschirme der Republik. Laut ARD verfolgten allein am Montag 1,64 Millionen Zuschauer die 2370. Folge. Das ist ein Marktanteil von 13 Prozent.

Für die Hansestadt ist die TV-Produktion, die seit 2006 in einer Gewerbeimmobilie am Stadtrand produziert wird, ein Glücksfall. Sie lockt mehr Touristen an als jede Werbekampagne.

Seit 2006 stiegen die Übernachtungszahlen von 225 000 auf 310 000. „Lüneburg spielt die versteckte Hauptrolle. Da wird die Stadt ins rechte Licht gerückt“, freut sich Svenja Heuer von der Lüneburg Marketing GmbH. Inzwischen sind die Rote-Rosen-Stadtführungen die beliebtesten. 175-mal wurden Besucher zu den Schauplätzen der Serie geführt – dem Hotel „Drei Könige“, das in Wirklichkeit „Bergström“ heißt, zum Wasserviertel mit dem alten Hafen und zum Platz am Sande mit seinen Giebelhäusern.

„Die Leute stehen darauf“, sagt Svenja Heuer. „Die möchten von den Stadtführern Geheimtipps, welcher Schauspieler wo gestanden hat und wo sie einen beim Kaffee treffen könnten.“ Und die Chance sei gar nicht mal so gering, denn einige Darsteller hätten sich auch privat am Drehort angesiedelt.

Die Rote-Rosen-Touren machen mittlerweile zehn Prozent der Führungen aus. Meist sind sie ausgebucht. Und auch sonst haben sich die Lüneburger Touristiker auf den TV-Hype eingestellt. In der Tourist-Info gibt es eine eigene Ecke mit Rote-Rosen-Fanartikeln von der Motivtasse bis zur Bettwäsche. Im Internet wirbt die Lüneburg Marketing ausführlich mit der Serie. Es gibt eine Klatschecke „Wer liebt wen?“

Die Zielgruppe ist durchaus begehrt. „Der typische Rote-Rosen-Tourist ist vielleicht zwischen 40 und 55 und eher der zahlungskräftigen Zielgruppe zuzuordnen“, erklärt Svenja Heuer. Nur in Euro und Cent könne man den Rote-Rosen-Effekt nicht beziffern.

Der TV-Tourismus boomt auch anderswo, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. In den drei Tagen nach Ausstrahlung des „Friesland-Krimis“ (ZDF) gingen 50 Prozent mehr Anrufe und Prospektanfragen ein als üblich. In der Tiroler Region Wilder Kaiser stiegen die Buchungen seit 2013 im Sommer um 27 Prozent, wohl die Hälfte davon dank des „Bergdoktors“ (ZDF). Und 15 Prozent der Wismar-Besucher gehen auf das Konto von „Soko Wismar“ (ZDF).

Von Gerhard Sternitzke

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