Mitarbeiterin erzählt von Corona und vergangenen Zeiten

Als Rocky bei der Polizei saß: Elke Doll seit 43 Jahren im Einwohnermeldeamt Bienenbüttel 

Einwohnermeldeamt in Corona-Zeiten: Elke Doll empfängt die Bürger im Mühlenbachzentrum im Rathaus. Eine Situation wie diese hat sie in ihren 43 Jahren bei der Gemeinde Bienenbüttel noch nicht erlebt.
+
Einwohnermeldeamt in Corona-Zeiten: Elke Doll empfängt die Bürger im Mühlenbachzentrum im Rathaus. Eine Situation wie diese hat sie in ihren 43 Jahren bei der Gemeinde Bienenbüttel noch nicht erlebt.

Bienenbüttel – Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeit im Bienenbütteler Rathaus durcheinander gewirbelt. Sieben Wochen lang war das Gebäude für den Publikumsverkehr geschlossen. Das betraf auch das Einwohnermeldeamt.

„Dringende Fälle haben wir natürlich bearbeitet“, berichtet Mitarbeiterin Elke Doll im Gespräch mit der AZ.

Auch ansonsten wurde hart geschuftet. „Das war eine absolute Ausnahmesituation, es wurde im Schichtbetrieb gearbeitet. “ Sie selbst war hauptsächlich im Bereich Versorgung und Beschaffung tätig. Statt Pässe auszustellen, koordinierte sie die Listen der hilfsbedürftigen Menschen und bestellte Masken sowie Desinfektionsmittel.

Ausnahmesituation, die ihres Gleichen sucht

Welchen Aufwand es gemacht hat, die ganzen Verordnungen auf die Gemeinde Bienenbüttel zuzuschneiden, könne sich ein Außenstehender gar nicht vorstellen, sagt die 60-Jährige. „Die ersten Wochen, Donnerwetter“, blickt sie zurück. Seit dem 19. Mai hat das Einwohnermeldeamt wieder geöffnet. Im Mühlenbachzentrum. Nach vorheriger Terminabsprache.

Die Corona-Krise ist eine Ausnahmesituation, die Elke Doll noch nie zuvor erlebt hat. Vor 43 Jahren begann die Bienenbüttelerin ihre Ausbildung in der Gemeindeverwaltung, hat seitdem immer im Einwohnermeldeamt gearbeitet und inklusive des aktuellen Bürgermeisters sieben Chefs miterlebt.

Als sie 1977 die Ausbildung antrat, wurden die Daten der Bürger noch auf Karteikarten erfasst. „Da gab es für jedes Dorf eine andere Farbe, Bienenbüttel war rot, Edendorf zum Beispiel blau“, erinnert sich Elke Doll. Heute steckt auch das Einwohnermeldeamt voll in der Digitalisierungswelle. Das neue System lässt eine Integration von verschiedenen Fachdiensten zu und dient als Schnittstelle. „Ich liebe dieses Programm, weil es eine große Erleichter-ung ist.“ Elke Doll gerät ins Schwärmen, wenn sie über das Programm spricht.

Ebenso schwärmt sie von ihrer täglichen Arbeit, vom Kontakt mit den Bienenbüttelern, die sie „fast alle persönlich“ kennt. In einer verhältnismäßig kleinen Gemeinde wie Bienenbüttel zu arbeiten, bietet für sie genau diesen Vorteil: „Hier kennt man jeden und spricht die Leute direkt mit Namen an, wenn sie reinkommen“, berichtet Doll, „da freuen sich die meisten sehr drüber.“

Anruf wegen des eigenen Hundes

Aus ihren vielen Jahren Berufserfahrung könnte sie haufenweise Anekdoten erzählen. Einmal – vor rund fünf Jahren – bekam sie einen Anruf von der Polizei, dass ein Hund abgegeben wurde. „Der Beamte wollte die Chip-Nummer durchgeben, als ich ihn unterbrochen und an meine Kollegin durchgestellt habe, weil ich selbst ein Gespräch hatte“, berichtet Doll.

Die Kollegin wiederum habe sie später angerufen und ihr mitgeteilt, dass es sich um Elke Dolls Hund handelt. „Da war Rocky ausgebüxt und saß bei der Polizei“, sagt Doll schmunzelnd. Ein weiterer kurioser Anruf kam vor etwa 20 Jahren von einem Bürger, der in einem Graben Schnecken gefunden hatte. „Die wollte er im Fundbüro abgeben“, erinnert sich Doll und kann ein Lachen nicht unterdrücken. Mit dieser gut gelaunten Art wird sie die Gemeinde vier weitere Jahre lang repräsentieren, ehe sie in den verdienten Ruhestand geht. VON FLORIAN BEYE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare