Unfallopfer und seine Familie bedanken sich bei Feuerwehr für Rettung

Roberts Kampf zurück ins Leben

Robert Uhlig hat sich zusammen mit der Familie – hier seine jüngere Schwester Sabrina Uhlig – für die Rettung bedankt. Ortsbrandmeister Carsten Buhr (rechts) und sein Stellvertreter Marcus Krahn waren vor drei Jahren im Einsatz.
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Robert Uhlig hat sich zusammen mit der Familie – hier seine jüngere Schwester Sabrina Uhlig – für die Rettung bedankt. Ortsbrandmeister Carsten Buhr (rechts) und sein Stellvertreter Marcus Krahn waren vor drei Jahren im Einsatz.

Bienenbüttel – An einem Sonnabend vor drei Jahren ändert sich das Leben von Robert Uhlig schlagartig. Bei einem Unfall am 12. Dezember 2016 bei Grünhagen auf der B 4 erleidet er schwerste Verletzungen – darunter drei Hirnverletzungen.

Robert Uhlig wird bei dem Unfall damals im Wagen eingeklemmt und muss von den Feuerwehren aus Bienenbüttel und Melbeck aus dem Wrack seines Autos befreit werden.

Die vergangenen Jahre hat sich der 29-Jährige zusammen mit seiner Familie zurück ins Leben gekämpft. Jetzt haben sie sich bei ihren Rettern mit einem Grillfest bedankt.

Robert Uhligs Ziel ist es, wieder so weit wie möglich selbstständig zu sein. „Ich will wieder gehen können“, sagt er. Mit dem Rollator könne er schon laufen, berichtet seine Mutter Olga Uhlig. „Zwei Runden ums Feuerwehrhaus schafft er schon“, sagt sie. Dass er dies alles erreicht, daran hätten die Ärzte damals nicht geglaubt. „Wir waren fest davon überzeugt, dass er aus dem Wachkoma zurückfindet“, sagt seine ältere Schwester Jessica Hansen. Sobald die Familie Roberts Krankenzimmer in St. Georg betreten habe, sei sein Puls höher gewesen und der Atem ging schneller. „Einer der Ärzte sagte: ‘Da ist noch jemand im Kopf zu Hause’“, erzählt Olga Uhlig.

Um diesen Kampf zurück ins Leben zu dokumentieren, führen sie auf Anraten eines Arztes Tagebuch und stellen dieses unter der Adresse www.kopf-reha.de online. Um anderen Betroffenen Mut zu machen, aber auch um den Krankenkassen Roberts Fortschritte zu zeigen. „Ohne Dokumentation kriegt man nichts’“, sagt Olga Uhlig.

Eine Woche liegt Robert Uhlig im Koma und noch vier weitere Monate im Wachkoma. Eineinhalb Jahre liegt er insgesamt in Krankenhäusern und Reha-Kliniken. „Wir haben immer nach vorne gesehen“, sagt Olga Uhlig.

Und Probleme, wie eine barrierefreie, bezahlbare Wohnung in Lüneburg für Robert Uhlig und seine Frau zu finden, werden dann auch unorthodox gelöst. „Es gibt keine Wohnung. Momentan wohnen Robert und seine Frau in einer Wohnung im dritten Stock ohne Fahrstuhl“, sagt Olga Uhlig. Daher bauen sie und ihr Mann Michael Uhlig jetzt eine ganze Inklusions-Wohnanlage in Artlenburg, gefördert unter anderem vom niedersächsischen Sozialministerium. „Eigentlich sollte es nur ein Bungalow für Robert und seine Frau werden, aber die kleinen Grundstücke waren schon verkauft“, sagt Olga Uhlig. Dann habe man sich eben entschlossen, etwas Größeres auf die Beine zu stellen. Das sei die Art der Familie: Anpacken und sich nicht entmutigen lassen, sagt Roberts jüngere Schwester Sabrina Uhlig.

Robert selbst kann sich noch an den Unfallhergang erinnern, hat aber viele Erinnerungen an Geschehnisse verloren, die zwei Jahre vor dem Unfall passierten. So erinnert er sich noch bruchstückhaft an seine Hochzeit. Er weiß, dass das Hochzeitsauto ein Cadillac war und das Hochzeitslied „1000 Years“ von Christina Perri ist. Das Lied hat ihm die Familie, als er im Koma lag, vorgespielt.

Mit der linken Hand sucht Robert Uhlig im Smartphone den Song heraus, als der Familie im Gespräch der Titel nicht mehr einfällt. Mit links, weil der Rechtshänder immer noch Lähmungserscheinungen auf der rechten Seite hat.

„Dass jemand nach so einem Unfall zurückkommt, nötigt einfach nur Respekt ab“, sagt Bienenbüttels Ortsbrandmeister Carsten Buhr. Man erfahre zwar fast immer, ob die Geretteten überlebt haben oder gestorben sind. Aber in so einer Form habe sich vorher noch nie jemand bedankt. „Wir erwarten so was auch gar nicht“, sagt Buhr. Das sagen auch der damalige Einsatzleiter Marcus Krahn und Ingo Dannath, der unmittelbar im Auto bei der Bergung geholfen hat. Damals habe jede Sekunde gezählt. Schnell hätten die Uhligs via Facebook auch Kontakt zur Feuerwehr aufgenommen, um sich zu bedanken, sagt Dannath. Mit einem Dank in dieser Form habe niemand gerechnet.

Ein besonderes Erlebnis hat sich Olga Uhlig vor allem eingeprägt: der Moment, als Robert das erste Mal wieder gelaufen ist. „Man steht dort und heult einfach nur vor Freude. Das war hart erkämpft, vor allem von ihm selbst“, sagt sie.

Doch bei einer Person konnten sich die Uhligs noch nicht bedanken: bei der Frau, die damals den Unfall gemeldet hat und bis zum Eintreffen der Helfer am Unfallort ausgeharrt hat. Doch die Polizei hat ihren Namen nicht. „Wir würden uns gern bei ihr bedanken“, sagt Olga Uhlig. Sie könne Kontakt über www.kopf-reha.de mit ihnen aufnehmen.

VON LARS LOHMANN

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