Tierschutzorganisation Peta widerspricht Kritik: „Dasein in Gefangenschaft und Isolation“

Ist Robby unglücklich?

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Schimpanse Robby sieht sich als Mensch. Wäre es trotzdem für ihn besser, wenn er mit seinesgleichen zusammenlebte? Dr. Yvonne Wurz von Peta ist überzeugt, dass der Affen-Opa in eine artgerechte Sozialgruppe integriert werden kann. Foto: A. Dörnath

Lüneburg/Celle. Ein Porträt. Ernst blickt Robby den Betrachter aus braunen Augen an. Ist er traurig? Gut, es gibt ein paar Unterschiede, aber der 47 Jahre alte Schimpanse weiß, dass er ein Mensch ist.

Wäre es trotzdem für ihn besser, wenn er mit seinesgleichen – aus Sicht vieler Menschen wären das Affen – zusammenlebte? Darum geht es an einem noch nicht bekannten Termin vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg (AZ berichtete). Zirkusdirektor Klaus Köhler will, dass der Affe, den er als seinen ältesten Sohn bezeichnet, bei ihm bleiben darf. Jetzt nimmt die Tierschutzorganisation Peta zu der Berichterstattung Stellung.

Dr. Yvonne Würz

Peta hatte mit der Kampagne „Rettet Robby, den letzten Menschenaffen im Zirkus“ so lange Druck aufgebaut, bis der Landkreis Celle verfügte, Robby in eine Einrichtung zur Resozialisierung von Affen zu bringen. „Die Zirkusfamilie Köhler stellt sich als Opfer einer Kampagne dar. Dabei ist es Robby, der sein Dasein in Gefangenschaft und Isolation verbringen musste und eines artgerechten, sozialen Lebens beraubt wurde“, sagt Dr. Yvonne Würz. „Jahrzehntelang wurde er in einem winzigen Lkw-Anhänger gehalten, transportbedingten Strapazen ausgesetzt und mit tierquälerischen Methoden zum Auftritt in der Manege genötigt“, betont die Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche.

Auch der Kritik der Bremer Wildtierärztin Alexandra Dörnath widerspricht sie. Die Expertin für Zirkustiere hatte davor gewarnt, dass sowohl das Einfangen und der Transport als auch die Unterbringung in der niederländischen Schimpansen-Auffangstation AAP für den Affen-Opa lebensgefährlich sei. Yvonne Würz widerspricht: „Seit über 30 Jahren ist AAP auf die Rettung von Schimpansen aus schlechten Verhältnissen spezialisiert und konnte bereits zahlreiche Tiere aus Zirkusbetrieben retten und in artgerechte Sozialgruppen integrieren.“ Dabei würden die Tiere langsam durch ein Gitter aneinander gewöhnt.

Peta fordert ein Verbot für Tiere, insbesondere Wildtiere im Zirkus. Für Klaus Köhler gehören dagegen Tiere zum Kulturgut Zirkus. Peta gehe es nur darum, viele Spenden einzusammeln, glaubt er. Die Organisation ist umstritten. Der eingestellte Blog Charity Watch kritisierte undurchsichtige Finanzen. Für Empörung sorgen auch Schockbilder und illegal aufgenommene Videos aus Tierhaltungen.

Von Gerhard Sternitzke

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