Neue Regeln für Schweinebauern

Chance für den Ringelschwanz: Peter Geffert aus Bornsen testet Verzicht aufs Kupieren

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Bis zum vierten Tag kupiert Peter Geffert die Ferkel, um Schwanzbeißen zu verhindern.

Bornsen – Rosig wimmelt es im Stall von Peter Geffert. Im Dutzend hängen die jungen Ferkel an den Zitzen der Sau. Manche schlafen hier auch ein. Doch die Tiere sind nicht nur zum Spaß hier. Der Bornser Landwirt erzeugt Ferkel und mästet sie anschließend.

Sau mit Ferkeln unter der Wärmlampe auf dem Hof von Peter Geffert in Bornsen.

Im Alter von bis zu vier Tagen werden die Ringelschwänze kupiert. Geffert greift die Ferkel bei den Hinterbeinen und kneift das Ende mit einer 800 Grad heißen Zange ab. Ein kurzer Augenblick, dann sind die Ferkel wieder bei ihrer Mutter. Mit der Maßnahme soll verhindert werden, dass Schweine die Schwänze ihrer Artgenossen anknabbern. Diese Praxis steht nun infrage. Seit dem 1. Juli gilt eine Landesverordnung zum schrittweisen Ausstieg aus dem Kupieren.

Sie verpflichtet die Schweinehalter, zunächst mit einer kleinen Gruppe von einem Prozent nicht kupierter Ferkel zu starten. „Gelingt die Haltung in dieser Kontrollgruppe, wird die Anzahl unkupierter Schweine Schritt für Schritt erhöht“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landwirtschaftsministeriums. Landwirte können aber auch weiter kupieren, wenn sie nachweisen, dass es zu Verletzungen an Schwänzen und Ohren kommt. Dies müssen sie in einer Tierhalter-Erklärung nachweisen. Zusätzlich soll jährlich eine Risikoanalyse erstellt werden.

Geffert will den schwierigeren Weg gehen. „Von der Überzeugung her möchte ich nicht kupieren. Ich sehe ein, es ist ein Eingriff am Tier, den ich aus Haltungsgründen nicht machen möchte“, sagt der 56-Jährige, der 150 Sauen und 800 Ferkel hält. Eine Gruppe von 16 Ferkeln hat er auch schon ausgeguckt. Allerdings ist der erfahrene Schweinehalter auch besorgt.

Geffert öffnet eine Tür im Maststall. Ein Schwein kommt neugierig näher. Der Landwirt begrüßt es mit einem freundschaftlichen Klaps. Es humpelt ein wenig, und der Schwanzstummel ist mit Schorf überzogen. Hier ist die Krankenstation. „Kleinste Verletztungen bringen aufsteigende Entzündungen im Rückenmark. Das Tier verheilt äußerlich, aber trägt verkapselte Entzündungen bis zur Schlachtung im Rücken“, gibt Geffert zu bedenken. Der Schweinehalter erhält dann nicht nur kein Geld für das Fleisch, sondern muss sogar noch für die Entsorgung zahlen.

0,8 Quadratmeter Fläche hat jedes Schwein zur Verfügung. Schon jetzt hängen in Gefferts Ställen Holzstücke an Ketten als Spielangebot. Zusätzlich gibt es Torf. Die Schweine stürzen sich auf das Material und wühlen darin herum. Zukünftig will der Landwirt auch Heuraufen aufbauen, denn die Schweine verlieren schnell das Interesse an den Holzklötzen. „Ohne mehr Aufwand lösen wir dieses Problem nicht“, sagt Geffert. Auch Magnesium könnte helfen.

Die Ursache für die Probleme sieht Geffert vor allem in der Züchtung auf hohe Fruchtbarkeit und Mastleistung. Die Schweine seien nervöser geworden. Deshalb hofft er, durch Einkreuzung anderer Rassen ruhigere Tiere zu erhalten. „Wenn die Zucht das als Aufgabe kriegt, schafft sie das“, ist Geffert überzeugt. Allerdings stehe man immer noch in Konkurrenz zu Niederländern und Spaniern, die weiterhin kupieren.

Landwirtschaftskammer und Kreis werden die Landwirte über die Regeln schriftlich informieren. „Die Umsetzung und Plausibilität der Angaben des Landwirts wird durch Kontrollen vor Ort erfolgen“, kündigt Kreis-Sprecherin Dr. Julia Baumgarten an. „Ein Landwirt, der die Unerlässlichkeit nicht nachweisen kann, darf keine kupierten Schweine einstallen beziehungsweise Ferkel kupieren.“

VON GERHARD STERNITZKE

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