1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Bienenbüttel/Lüneburg

Pilzsuche in Niendorf: Revierförster erklärt, wie man sich beim Sammeln richtig verhält

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jannis Wiepcke

Kommentare

Ein mit Pilzen gefüllter Sammelkorb
Die Krause Glucke (links) erinnert an einen Badeschwamm. Maronenröhrlinge findet man relativ häufig – sie sollten aber nur für den Eigenbedarf gesammelt werden. © Sternitzke, Gerhard

 Krause Glucke, Steinpilz und Pfifferlinge lassen die Sammlerherzen in der Pilzsaison höher schlagen. Für den Wald und seine Bewohner kann sich die Suche aber schnell zum Ärgernis entwickeln. Revierförster Martin Dicke, hat der AZ erklärt, wie man sich bei der Pilzsuche richtig und umsichtig verhält.

Niendorf - Seine Faustregel für die Besucher lautet: Auf den Hauptwegen bleiben, um Beschädigungen an Pflanzen und Bäumen zu vermeiden. Speziell junge Waldbestände sollten von den Pilzsuchern geschont werden. „Es ist auch sehr ärgerlich, wenn man die Rehe und Wildschweine im Wald von links nach rechts jagt“, nennt Dicke den Stress, den das Eindringen in ihre Habitate bei den Tieren verursacht, als weitere Begründung für ein behutsames Vorgehen.

Was leider immer wieder vorkomme, aber grundsätzlich strengstens untersagt sei, ist das Befahren der Waldwege mit dem Auto. Sollten Pilzsammler hierbei erwischt werden, werden laut dem Revierförster empfindliche Strafzahlungen fällig. Die drohen übrigens auch dann, wenn die Pilzsammler zu viele Pilze aus dem Wald entnehmen. „Es gibt bei uns im Wald, die Handstraußregel: Alles, was man mit beiden Händen tragen kann, kann man auch mitnehmen“, erklärt Dicke. Man sollte sich bei der Suche nämlich immer vor Augen führen, dass Pilze eine wichtige Funktion in einem Ökosystem wie dem Wald erfüllen.

Totes organisches Material wie Holz, Laub oder Nadelstreu werden von dem Myzel, dem Fadengeflecht unter der Oberfläche, zersetzt, Waldbäume bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme unterstützt. Dazu dienen Pilze nicht nur Menschen, sondern auch Tieren wie Schnecken, Hasen oder Hirschen als Nahrungsquelle. Grundsätzlich gilt: Nur Pilze sammeln und essen, die vorher eindeutig als Speisepilz ausgemacht wurden – zu groß ist bei vielen Exemplaren die Verwechslungs- und Vergiftungsgefahr. Sehr junge, alte oder verdorbene Pilze sollten von den Sammlern grundsätzlich im Wald gelassen werden.

Werden all diese Regeln befolgt, steht dem Pilzvergnügen nichts im Wege – dank dem vielen Regen sprießen die Pilze in diesem Jahr zahlreich. Bei einem Probelauf in einem Wäldchen bei Niendorf ist der Sammelkorb des AZ-Reporters schon nach wenigen Minuten mit vielen Maronenröhrlingen und zwei Krausen Glucken gefüllt.

Auch interessant

Kommentare