Zwei Männer angeklagt

Verfeindete Clans in Lüneburg: Jetzt läuft der Prozess nach Schüssen aus Auto

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei durchsucht nach den Schüssen aus einem Auto eine Wohnung im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor. Bei dem Angriff wurde ein 20-Jähriger schwer verletzt.
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Ein Sondereinsatzkommando der Polizei durchsucht nach den Schüssen aus einem Auto eine Wohnung im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor. Bei dem Angriff wurde ein 20-Jähriger schwer verletzt.
  • Gerhard Sternitzke
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Lüneburg. Nachts um halb eins im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor: Eine Gruppe von sieben Personen steht am 4. April des Jahres auf dem St. Stephanusplatz, als plötzlich Schüsse fallen.

Die Täter feuern aus einem Auto heraus und flüchten dann mit dem Audi über die Dahlenburger Landstraße (AZ berichtete). Ein 20-Jähriger wird von zwei Projektilen getroffen. Ab Donnerstag müssen sich zwei Männer im Alter von 22 und 25 Jahren wegen versuchten Mords, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.

Der Prozess findet unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Unter anderem gibt es Einlasskontrollen. „Das sind allgemeine Sicherheitsmaßnahmen, weil offenbar ein Gruppenkonflikt im Hintergrund steht“, erklärt Landgerichts-Sprecherin Susanne Ehret. Genauer wird sie nicht, aber Lüneburg hat bereits Erfahrung mit gewalttätigen Auseinandersetzungen unter rivalisierenden Großfamilien, die zu den aus dem Libanon stammenden Mhallamiye-Kurden zählen.

Wie nach einer Massenschlägerei 2015 mussten im April Polizeibeamte mit Maschinenpistolen das Lüneburger Klinikum schützen, in dem der schwer verletzte 20-Jährige notoperiert wurde. Er wurde durch die Schüsse an Schulter und Bein verletzt. Das Opfer war zunächst nicht vernehmungsfähig.

Laut Gerichtssprecherin Ehret geht die Staatsanwaltschaft nicht davon aus, dass es die Angeklagten gezielt auf den Mann abgesehen haben. Die Schüsse galten offenbar der gesamten Gruppe. Dabei hätten die Angeklagten in Kauf genommen, dass durch die unkontrollierten Schüsse mehrere Personen getroffen und getötet werden können, betont Susanne Ehret.

Die Staatsanwaltschaft vermutet offenbar einen Racheakt. Der Attacke vorausgegangen sei ein Streit zwischen den Angeklagten und Mitgliedern der angegriffenen Gruppe. Dabei sei ein Freund des jüngeren Angeklagten geschlagen worden.

Nach der Schießerei durchsuchten Sondereinsatzkommandos mehrere Wohnungen in Norddeutschland, darunter auch in Kaltenmoor. Der jüngere, damals noch 21 Jahre alte Angeklagte stellte sich nach intensiver Fahndung wenige Tage nach der Tat der Polizei und kam in Untersuchungshaft. Außerdem führte die Polizei mit 60 Beamten in den angrenzenden Wohnblöcken eine sogenannte Nachbarschaftsbefragung durch.

Die beiden Angeklagten sind keine unbeschriebenen Blätter. Im November vorigen Jahres sollen sie im Streit einen Mann mit einem waffenähnlichen Gegenstand bedroht, ihn geschlagen und, als er am Boden lag, mit dem Schuh gegen den Kopf getreten haben.

Insgesamt sind acht Zeugen und drei Sachverständige geladen. Bis Ende November hat das Gericht sieben weitere Verhandlungstermine angesetzt.

Von Gerhard Sternitzke

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