Tour mit gestohlenen Fahrzeugen

Prozess gegen Bienenbütteler ausgesetzt: Nur Stunden später randaliert er

Ein 54-Jähriger aus Bienenbüttel wurde am Montag von der Polizei ins Amtsgericht Uelzen gebracht. Stunden später randalierte der Mann in seiner Wohnung.
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Ein 54-Jähriger aus Bienenbüttel wurde am Montag von der Polizei ins Amtsgericht Uelzen gebracht. Stunden später randalierte der Mann in seiner Wohnung.

Uelzen/Bienenbüttel – War sich ein 54-Jähriger aus Bienenbüttel überhaupt im Klaren darüber, was er Anfang Juli tat? Oder stand er möglicherweise unter dem Einfluss „benebelnder“ Substanzen, die seine Schuldfähigkeit beeinflusst haben könnten? Diese Frage muss jetzt ein Sachverständiger beantworten.

Der Mann ist am Montag als Angeklagter ins Amtsgericht Uelzen geladen, weil er am 4. und 5. Juli erst einen Motorroller und dann einen Pkw an sich genommen und gefahren hatte – ohne im Besitz eines Führerscheins zu sein.

Mit dem Auto war er dann auch noch in einen Unfall auf einem Parkplatz verwickelt und von dort geflüchtet. Zu allem Überfluss führte er damals ein Springmesser mit einer Klinge von 7,5 Zentimetern mit.

Verfahren beginnt und endet schnell wieder

Doch auch 15 Minuten nach dem geplanten Prozessbeginn ist die Anklagebank noch immer verwaist. Das veranlasst Richter Rainer Thomsen, stellvertretender Direktor des Amtsgerichts, dazu, kurzerhand bei der Polizei in Bienenbüttel anzurufen und die Vorführung des ihm seit mehr als 20 Jahren bekannten 54-Jährigen anzuordnen.

Tatsächlich ist der Mann zuhause – und wird 40 Minuten später von einer Beamtin in Saal 1 des Amtsgerichtes gebracht. Er habe den „Termin verpennt“, so der erwerbsunfähige Angeklagte, der sich für den Prozess nicht um einen Rechtsbeistand bemüht hat. So fängt das Verfahren zwar mit der Feststellung der Personalien und der Verlesung der Anklageschrift an, hört dann aber auch schnell wieder auf...

Richter Thomsen sagt dem 54-Jährigen nach dessen ersten Einlassungen: „Ich bin der Auffassung, dass sie sich alleine nicht adäquat verteidigen können und auch nicht sicher, ob sie im Juli zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig waren. Deswegen machen wir hier für heute Schluss“, so Thomsen. Die Staatsanwaltschaft schließt sich dieser Auffassung vollumfänglich an. Das Verfahren wird ausgesetzt, die Bestellung eines Pflichtverteidigers sowie ein Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit des Mannes beschlossen. Der Angeklagte verlässt unsicheren Schrittes den Saal und will zum Bahnhof, um zurück nach Bienenbüttel zu fahren.

Konkret wird ihm vorgeworfen, am 4. Juli 2020 in der Schulstraße in Suhlendorf nach einem Besuch bei einem Bekannten gegen 22 Uhr einen Roller an sich genommen zu haben, in dem der Schlüssel steckte. In Nateln gab das Zweirad seinen Geist wegen eines „Kolbenfressers“ auf, kurzerhand schnappte sich der 54-Jährige dort einen Ford Fiesta. Auch hier steckte der Schlüssel im Zündschloss – „ich bin verleitet worden“, so der polizeibekannte Bienenbütteler.

Polizei-Einsatz in der Wohnung

An der Bodenteicher Straße in Rosche wurde er dann von einem Zeugen auf den Pkw angesprochen und flüchtete, dabei streifte er die Beifahrertür eines BMW. Wenig später folgte die Festnahme, bei der das Springmesser auffiel. Der Sachschaden an beiden geklauten Fahrzeugen beläuft sich auf etwa 4000 Euro.

Dass der bisweilen unter Betreuung stehende Bienenbütteler, der nach eigener Aussage aktuell keine antipsychotischen Arzneimittel einnimmt, mutmaßlich Hilfe von außen benötigt, stellte sich nach AZ-Informationen nur wenige Stunden später heraus. Denn nachts gegen 2.15 Uhr randalierte er in seiner Wohnung derart heftig, dass Nachbarn die Polizei alarmierten.

Beim Eintreffen der Beamten sei er hochaggressiv gewesen und habe in Gewahrsam genommen werden müssen. Dabei leistete der 54-Jährige laut Pressemitteilung der Polizei „massiv Widerstand und trat dabei auch einen anwesenden Polizeihund, der daraufhin mehrfach in den Arm des Mannes biss. Der Aggressor erlitt dadurch Verletzungen und musste im Uelzener Klinikum stationär behandelt werden.“ In der Wohnung des Mannes seien psychoaktive Pilze sichergestellt worden.

Neben dem am Montag ausgesetzten Prozess erwartet den Mann, der zwischen Juli und Dezember mindestens ein weiteres Mal aufgefallen war, nun ein weiteres Strafverfahren wegen Widerstands und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Spirale dreht sich weiter.

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