Witthöft: „Wir haben eine Fürsorgepflicht“

Protest der Bienenbütteler Verwaltungsmitarbeiter: Und nichts dringt nach außen

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Ernste Gesichter vor dem Bienenbütteler Rathaus: 13 Verwaltungsmitarbeiter empfangen die Mitglieder des Verwaltungsausschusses mit stummen Forderungen.

Bienenbüttel. Was ist los im Bienenbütteler Rathaus? 13 Mitarbeiter – das entspricht rechnerisch mehr als 20 Prozent der Belegschaft – stehen am Donnerstagabend im stummen Protest vor der Tür. Was ihr Anliegen ist, sagen sie nicht, aber die Mienen sind ernst.

Bürgermeister Dr. Franke

Sie sind die Botschaft an die Mitglieder des Verwaltungsausschusses, formal oberster Dienstherr im Rathaus, der aber immer nichtöffentlich tagt. Die Politiker sind bereits zum zweiten Mal mit die Beschäftigten konfrontiert, eine erste Mahnwache gab es vor der letzten Sitzung am 23. Februar. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass im Rathaus ein Klima der Angst herrschen soll. Bürgermeister Dr. Merlin Franke, seit knapp drei Jahren im Amt, führe hinter den Mauern des Verwaltungssitzes ein eisernes Regiment. Mitarbeiter würden unter Druck gesetzt. Wer nicht spure, werde angeblich mit Abmahnungen traktiert. Durch ein System der Bespitzelung – von „Stasi-Methoden“ ist die Rede – sorge der Verwaltungschef dafür, dass nichts nach außen dringt. Außer dass manchen Bürgern auffällt, dass seit einiger Zeit im Rathaus „ein anderer Wind weht“. Dass sich die Mitarbeiter anders verhalten.

Das Schweigen über die Zustände in Bienenbüttels Machtzentrale breitet sich auch auf die Mitglieder des Verwaltungsausschusses aus. Da er nichtöffentlich ist, möchten sich die Angesprochenen nicht durch das Ausplaudern von Interna angreifbar machen. „Da scheint was nicht zu stimmen“, kommentiert Reinhard Schelle-Grote (Grüne) die Mahnwache. Auch von Bürgern sei er bereits auf die atmosphärischen Veränderungen im Bienenbütteler Rathaus angesprochen worden.

Leserbrief zum Thema:

"Gekränkter Machtmensch?"

„Es ist mir nicht bekannt, dass es sowas schon mal gab“, wundert sich Arnold Witthöft (SPD). „Wir haben angeregt, dass wir mit dem Personalrat gerne reden“, kündigt der SPD-Politiker an. „Aber dafür brauchen die Mitarbeiter eine Genehmigung.“ Und er gibt zu bedenken: „Wir sind nicht nur Arbeitgeber, sondern haben auch eine Fürsorgepflicht. Ich möchte, dass die Mitarbeiter wieder in Ruhe weiterarbeiten können.“

Bürgermeister Dr. Merlin Franke, der sich auswärts auf einer Tagung befand, stand am Freitag für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Von Gerhard Sternitzke

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